Reiners Gedankenreise – Bildkritik


Hallo liebe Leserinnen und liebe Leser, liebe Community.

Bevor ich Euch erneut mitnehme auf eine Reise durch meine Gedanken, welche mich aktuell beschäftigen, möchte ich mich bei Euch bedanken.

Nach meinem Artikel in Soul of Street #32, in welchem ich Euch mit in meine Gedankenreise über das „blind werden in der Fotografie“ genommen habe, erhielt ich sehr, sehr viele Zuschriften mit ebenfalls vielen Tipps. Ich war erstaunt, wie viele von Euch auch schon „Blind“ gewesen sind und vor allem, mit welchen Mitteln Ihr letztendlich wieder angefangen habt, Motive auf der Straße zusehen.

Ein paar davon habe ich ausprobiert, andere wie ein komplett neues Kamerasystem zu kaufen, habe ich direkt verworfen. Aktuell ist es bei mir so, dass ich mir zwei Tage im Monat nehme, an denen ich bewusst fotografieren gehe und gezielt nach Motiven für eine Serie suche, die ich mir ausgedacht habe. Und bevor Ihr mir schreibt, welche Serie ich denn fotografiere, möchte ich sie Euch eben nennen.

Streetart meets Streetfotografie: Hier versuche ich beide Kunstformen zusammenzubringen.

Doch genug davon. Gehen wir doch jetzt auf meine neue Gedankenreise….

Aktuell beschäftigt mich das Thema „Bildkritik“ und alles, was dort noch drumherum ist.

Sei es das Kritisieren von Bildern, oder sei es die oft gewünschte konstruktive Kritik zu einem Bild oder das Lob. Aber auch die Menschen, die kritisieren, interessieren mich. Oft sind dies Leute, die aus dem Genre der Fotografie kommen und Erfahrung haben und im besten Fall anhand dieser Erfahrung ein Bild analysieren und dann einen Kommentar schreiben.

Wie sieht aber Bildkritik aus?

Viele Likes oder viele Kommentare = gutes Bild?

Nein, das zeigt lediglich, dass ein Bild jemanden gefällt.

Viele Likes oder viele Kommentare = Gute (Bild-)Kritik?

Hier kann man sich streiten. Laut Wikipedia ist ein Lob eine positive Bildkritik.

Aber was ist denn eine Kritik? In Wikipedia finde ich dazu:

„Kritik bezeichnet heute ganz allgemein eine prüfende Beurteilung nach begründetem Maßstab, die mit der Abwägung von Wert und Unwert einer Sache einhergeht.“

Aha. Das ist also eine Kritik.

Kann man das auf einem Bild anwenden?

Ja das könnte man denke ich. Aber ich denke es gehört noch einiges mehr dazu.

Aber was ist eigentlich gewünscht? Was ist besser? Ein Kommentar oder ein persönliches Gespräch auf einer Ausstellung? Hier denke ich, dass es eigentlich klar ist.

Oft kommen die Kritiken aus den Tiefen des World Wide Web. Meine eigene Erfahrung und die aus der Soul of Street Gruppe bei Facebook zeigt, dass dort oft kritisiert wird, ohne zu schreiben, warum man ein Bild schlecht findet, oder warum man ein Bild gut findet. Neben Kommentaren wie „Gefällt mir nicht“, oder „warum lädt man sowas hoch“ gibt es noch die Klassiker „Nice“ und „schön gesehen“.

Wenn wir uns doch bereits die Arbeit machen und einen Kommentar zu einem Bild schreiben, warum nehmen wir uns eigentlich nicht die Zeit, dann auch das Bild mal länger als ein paar wenige Sekunden zu betrachten. Und wenn wir es doch getan haben, warum haben wir nicht die Zeit, dann in ein paar Sätzen zu schreiben, was uns gefallen oder missfallen hat?

Aber ich frage mich auch: Was möchte derjenige denn lesen, der das Bild hochgeladen hat? Vermutlich nur etwas Schönes, denn wer erhält nicht gerne ein Lob zu seinem Bild. Aber die Erfahrung zeigt uns auch, dass viele Leute unserer Gruppe auf Facebook beitreten, um sich selbst zu verbessern. Woher wir das wissen? Wir haben zwei Fragen, die man beantworten muss, um in die Gruppe zukommen. Und anhand dieser Antworten können wir sagen, dass viele User bzw. Fotografen in unserer Gruppe sind, um sich selbst zu verbessern bzw. etwas zu lernen.

Dann frage ich mich: Warum nimmt sich denn von ihnen kaum jemand die Zeit, um seine persönliche Sicht auf das Bild niederzuschreiben? Hier höre ich wiederum, dass das gekonnt werden muss. Klar ist es schön, wenn ein Experte mir sagt oder unter das Bild schreibt, was ihm stört, wohin sein Auge gelenkt wird und was man evtl. besser machen könnte. Aber was stört denn daran, wenn es jemand schreibt, der es nicht so gut analysieren kann, aber dafür offen und ehrlich schreibt, was er sieht oder was er anders machen würde? Ich denke, nichts stört daran. Aber es trauen sich leider noch zu wenige.

Ein Phänomen, welches ich auch in letzter Zeit oft beobachtet habe, ist, dass Leute, die mit der Streetfotografie keine oder nur eine minimale Bindung haben, User und deren Bilder „anmachen“. Sie üben keine Kritik, sondern pöbeln meist.

Klar laden manche Bilder dazu ein, und auch ich ertappe mich das ein oder andere Mal dabei, dass ich mich frage, warum man so ein Bild hochlädt oder ob es jetzt wirklich ernst gemeint ist.

Ich persönlich lade meine Bilder nach dem Schema hoch: Gefällt mir das Bild persönlich, könnte das Bild auch anderen Personen gefallen. Hat das Bild potenzial, länger als eine Sekunde angeschaut zu werden und möchte ich solche oder ähnliche Bilder auch von anderen Fotografen sehen? Kann ich diese Fragen mit Ja beantworten, lade ich mein Bild hoch.

Aber zurück zum Thema: Bildkritik.

Wer darf jetzt eigentlich ein Bild kritisieren? Sind es Leute, die so etwas oft machen? Sind es Leute, die Fotografie studiert haben bzw. es gelernt haben, ein Bild nach den geltenden Regeln in ihre technischen Details wie Goldener Schnitt oder Drittelregel zu zerlegen? Oder doch die Leute, die ein gutes Auge haben und Bilder nach ihre Geschichte bewerten? Oder vielleicht dürfen nur Leute kritisieren, die selbst gute Bilder machen? Nein, das denke ich alles nicht. Von allem etwas wäre vermutlich ein Idealfall. Aber ich persönlich denke, dass jeder ein Bild kritisieren kann, der offen und ehrlich ein Bild beschreiben kann, was er darin sieht und fühlt.

Kommen wir aber nun auf die andere Seite. Auf die Seite des Uploaders. Was kann er vertragen und vor allem, was möchte er ertragen. Eingangs schrieb ich bereits, dass wir alle gerne ein Lob zu unserer Fotografie erhalten würden. Doch was ist, wenn sie nicht kommt? Nimmt man die Kritik an? Stößt man sie von sich, wenn sie nicht von einem alt angesehenen Experten oder Fotografen kommt? Oder ist man offen für Kritik und für diese auch frei empfänglich?

Letzten Endes denke ich, dass man sich dann immer wieder im Kreis dreht. Denn wie sagt man bei uns in Köln?! „Jeder Jeck is anders“ – was so viel heißt, dass nicht jeder Mensch gleich ist.

Am Ende lade ich meine Bilder hoch, weil sie mir gefallen, und ich denke, dass sie auch anderen Menschen gefallen könnten. Immerhin erfüllen sie die von mir für mich selbst definierten Kriterien, wie bereits oben näher erläutert. Wenn dann ein „Like“ oder ein „Kommentar“ unter dem Foto erscheint, freue ich mich. Dabei ist es mir egal, ob es eine Kritik oder ein Lob ist. Denn ich sehe, dass sich jemand vermutlich länger als eine Sekunde mit dem Bild beschäftigt hat, und das freut mich dann. Ich fotografiere für mich und das ist auch mein Antrieb bei den Fotos. Meine Bilder sind ein Teil von mir und zeigen auch Teile von mir.

Dies ist auch diesmal mein Rat an Euch:

Geht raus und macht Fotos, die Euch gefallen. Und zeigt sie gerne in der Community. Aber nicht für Likes und nicht, wenn Ihr mit den Kommentaren nicht umgehen könnt. Sondern einfach nur dann, wenn Ihr Euch darüber freut, wenn Euer Bild etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen hat als der normale Durchschnitt.

Gerne könnt ihr mir Eure Gedanken zu diesem Thema an reiner@soulofstreet.com schicken.

Euer Reiner

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1 Kommentar

  1. Vielen Dank für deine Gedankenreise “Bildkritik”.Fühle mich ein bisschen ertappt, weil es mir oft genug schwerfällt, einen Kommentar oder ein Lob (jenseits von “schön gesehen” oder ähnlichen Standardformulierungen) zu schreiben. Zumindest der Vorsatz, es in Zukunft etwas anders zu machen, ist wieder da!

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