Aktuelle Ausgabe


#37

Cover: Sven Harker

Editorial

Willkommen im Augenblick

Liebe Leserinnen und Leser,

das Herbstlaub beginnt zu leuchten und verleiht der Stadt ihren für diese Jahreszeit typischen Glanz. Bekannte Szenerien zeigen sich nun in neuem Gewand und sorgen dafür, dass die Jäger sich wieder auf die Straße wagen und mit ihrer Kamera Momente des eigenes Glücks einfangen. Mit offenem Blick wird Außergewöhnliches in Bilder gegossen und zu Zeitschätzen konserviert. Stets in Bewegung sein, zu allen Jahreszeiten, stadteinwärts, stadtauswärts, querbeet auf Signale wartend, um dann den Auslöser zu betätigen. So entstehen Visualisierungen der eigenen Zeit, gefühlvolle Erinnerungen an eine Reise durch das eigene Leben.

Wie in jedem Zweig der Kunst drückt sich auch in der Streetfotografie der Zeitgeist aus – durch changierende philosophische Nuancen, Stile, Techniken. Die Gedankenströme der kreativen Urheber*innen suchen sich in den Bildern ihren Ausdruck. Inwieweit Intuition oder Konzeption dabei eine Rolle spielen, damit hat sich Pia Parolin beschäftigt, die wir in dieser Ausgabe von Soul of Street erneut im Interview begrüßen dürfen.

Doch der Fotograf kann auch als Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart fungieren. Maxence Garcia und Juliette Darizcuren haben sich in Süd-Frankreich eine Existenz aufgebaut. Beide sind leidenschaftliche Fotografen. Sie entdeckten für sich das uralte Verfahren der Kollodium-Nassplatten-Fotografie. Es wurde 1850 entwickelt und ermöglicht es, Bilder direkt auf Glas- oder Aluminiumplatten zu fixieren. Da sie die alte Technik perfektionieren wollten, experimentierten beide über ein Jahr lang mit dieser Technik. Danach starteten sie das Projekt „La Rétro Machine“. Ein Projekt, von dem sie sich vorstellten, es würde reisen, um die Kollodium-Porträtfotografie so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen.

Wir stellen Euch außerdem Nina Papiorek und ihre für ihren Minimalismus ausgezeichnete Fotografie vor, entführen Euch mit Oliver Feldhaus in die Rigaer Straße 94 in Berlin und werfen auch einen Blick über den europäischen Tellerrand hinaus, nach Australien, wo Merv Fitzhenry seit vielen Jahren als Streetfotograf wirkt.

Wir wünschen Euch viel Spaß bei der Lektüre von Ausgabe #37 und hoffen, Ihr findet viele Anregungen für Eure eigene Reise ins Hochgefühl des Schaffens, den Flow.

Euer Team von Soul of Street