INSIDER: GR-CITIES COLOGNE


Dank Ricoh und einem neuen Projekt für Straßenfotografie war unser Autor Marc Barkowski endlich wieder ganz offiziell unterwegs mit der Kamera. Und ja, auch mit Mundschutz. Denn das neue Ricoh-Projekt GR-Cities entstand durch die oder dank der Pandemie und ihren Beschränkungen. GR Cities ruft Fotografen auf der ganzen Welt dazu auf, ihre Städte in Bildern zu zeigen, die mit einer Ricoh GR aufgenommen wurden, und sich online über mit Städtenamen markierte Hashtags zu vernetzen. Sozusagen als virtuelle Brücke über alle Reisebeschränkungen hinweg. Einen Tag lang begleitet Marc Samuel Lintaro, Heike Frielingsdorf und David Shokouhbeen auf ihrem Dreh für das Auftaktvideo zum GR-Cities Projekt durch Köln.

An Köln gefiel mir schon immer einfach alles.
    ― Willy Millowitsch

Am 23.05.2021, es war Pfingstsonntag, stand ich am nördlichen Ende der Kölner Ringe, vor mir erstreckte sich direkt am Rheinufer die Bastei. Zwei Tage zuvor hatte ich Wind davon bekommen, dass sich Samuel L. Hopf (aka Samuel L. Streetlife) mit Heike Frielingsdorf und David Shokouhbeen für einen Videodreh zum Projekt #shootgr_cologne in Köln treffen würden.

Ich wollte diesen Dreh unbedingt fotografisch begleiten, auch um nach langer Abstinenz während der Pandemie wieder auf der Straße zu sein. Glücklicherweise fanden Samuel und ich schnell zusammen, und so konnte es losgehen.

Sonntagmorgens gegen 09.30 Uhr stieg ich an der U-Bahn-Haltestelle Ebertplatz aus und schlenderte über den Theodor-Heuss-Park zum Rheinufer. Neben zahlreichen schwitzenden Joggern, die mit aufkommendem Hormon-Kick an mir vorbeizogen, sah ich eine Handvoll übermüdeter Gassigeher mit ihren aufgeweckten Hunden, entspannte Eltern mit spielenden Kindern und die eine nicht zuzuordnende Person mit tief ins Gesicht gezogenem Hut, die wartend auf und ab ging und sich dabei umschaute. Auch suchte ein Obdachloser gezielt in den Mülltonnen nach verwertbaren Material. Als er fündig wurde, verstaute er den Fund schnell in seiner Plastiktüte und zündete sich einen Zigarettenstummel an. Der Park und seine Protagonisten hatten etwas von einer True Man Show für Streetfotografen. Motive über Motive. Die diesmal allerdings im Augenblicklichen verpufften, ohne dass sich jemand für sie interessiert hätte.

Ich war etwas zu früh am Treffpunkt, und so lief ich den Park zweimal komplett ab, zwei Runden mit der GR III in der Jackentasche, ohne sie herauszuholen. Ich war zu sehr mit dem Beobachten und Sondieren der Umgebung beschäftigt. Gedankenverloren dachte ich an meinen Freiwilligendienst im kulturellen Bereich vor ein paar Jahren, als ich die Möglichkeit bekommen hatte, das Besondere an diesem Park kennenzulernen und sehen zu dürfen. Im Rahmen eines Fotoshootings für „Orpheus in der Unterwelt“ durfte ich die Stufen zum Kronleuchtersaal[1] hinabsteigen und diese einmalige Kanalisation mit ihren beiden Kronleuchtern erleben. 

Doch genug der kurzen Exkursion. Ich war ja hier, um das Shooting zu begleiten. Ich laufe aufgeregt in Richtung Bastei und sehe die drei nun schon von weitem. Sie suchen am Rheinufer nach einer geeigneten Stelle, um mit dem Videodreh zu beginnen. Samuel und David traf ich zuletzt beim GR-FESTIVAL-2019[2] in Hamburg. Heike kannte ich noch nicht persönlich. 

Nach einer herzlichen Begrüßung stand ich schon mitten im Geschehen. Mittlerweile hatte Samuel eine geeignete Stelle für den Einspieler gefunden. Stativ aufgestellt, Bildausschnitt gewählt, Tonprobe…Klappe, die Erste!

Nicht nur der Videodreh startete, Heike und David waren erkennbar in ihrem persönlichen Streetfotografie-Modus, ihre Umgebung stets im Blick. Ausschau nach möglichen Motiven zu halten ist gleichbedeutend damit, stets auf Sendung zu sein. Die Wellen des Augenblicks zu erfassen, die Sinne und die in Bruchteilen von Sekunden verstreichenden Möglichkeiten, ein Bild zu gestalten und bestenfalls zu konservieren, erfordern eine scharfe und schnelle Wahrnehmung. Von einer schnellen Umsetzung ganz zu schweigen. Ganz selten geht es aber auch völlig gelassen von statten, so wie bei diesen chilligen Protagonisten im Gras am Rheinufer.

Anschließend folgte ich den Dreien über das langgezogene Konrad-Adenauer-Ufer in Richtung Dom, dessen Spitzen uns aus der Ferne begrüßten. Eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Selbst das Wetter spielte mit, denn die Sonne boxte sich immer wieder durch den wolkenverhangenen Himmel, und wir blieben trocken.

Neben dem eigentlichen Vorhaben, den Dreh fotografisch zu dokumentieren, habe ich auch das Gefühl unserer Photowalks wieder spüren können. Mit gleichgesinnten loszuziehen, um die Straßen zu erkunden, sich zu unterhalten und dabei zuzuschauen wie andere Fotografen*innen vorgehen. Das ist in der Zeit der Pandemie ein wenig verloren gegangen und führte hier und da zu Sehnsucht.
Jetzt durfte ich mich mit der kleinen Truppe wieder auf den Augenblick einlassen. Ja, es hatte etwas von Aufbruchsstimmung. Was dem einen die langersehnte Party oder der langersehnte Restaurantbesuch ist, das sind mir die Streetfotografie und ihre Begleitumstände – wie ein Photowalk, die Gespräche und im idealen Fall eine gelungene Aufnahme. Das ersehnte Gefühl von Freiheit. Denn auch wenn Streetfotografie den Charakter eines einsamen Wolfes tragen kann, so kann das Gemeinschaftsgefühl in dieser Szene doch sehr prägend sein.

Mittlerweile hatten wir den Wasserspielplatz in der Altstadt erreicht und sahen eine ganze Schar kleiner Kinder, die sich um den Seifenblasenkünstler tummelten, in freudiger Erwartung, die kleinen, großen und riesengroßen Seifenblasen einzufangen und sie in der Luft zerplatzen zu lassen. Der Platz war mit einer hohen Motivdichte versehen. Heike und David fügten sich wie zwei alte Hasen unauffällig in die Szenerie ein. Ich verlor sie kurz aus den Augen und musste genau hinschauen, um die beiden zu lokalisieren. Heike verschmolz am Rande des Geschehens mit ihrer unmittelbaren Umgebung und den Personen um sie herum. Sie fotografierte mit ihrer GR III, ohne dass ihr Umfeld davon Notiz nahm. Auch David verschwand auffallend gut in der Menge und fotografierte ohne viel Aufhebens. Mir fiel erneut auf, welche Wirkung die Montur hat. Normal gekleidet ist man mit der kleinen GR III so gut wie unsichtbar. Zwischenzeitlich drehte Samuel einige Szenen und interviewte Heike und David. Die Kinder liefen im Hintergrund weiter den Seifenblasen hinterher.

Dieser Platz war zwar ein guter Spot, hatte allerdings auch seine Herausforderungen. Da es sich hier überwiegend spielende Kinder aufhielten, erforderte das Fotografieren ein besonderes Maß an Fingerspitzengefühl.

Samuel interessierte sich neben dem Filmen besonders für die Technik des Seifenblasenkünstlers. Dieser bot ihm an, es selbst auszuprobieren, wozu Samuel sich nicht lange bitten ließ. So filmte David nun Samuel, wie er Seifenblasen machte.

Nach mehreren erfolglosen Anläufen gelang Samuel ein riesiges Seifenblasengebilde.

 

 

Anschließend ging es den Treppenaufgang vom Rheinufer zur Dom-Ebene hoch. Die unzähligen Treppen ermöglichen eine besondere Perspektive auf den Kölner Dom. Aus der Hocke entstand dieses Bild von Marc Barkowski mit der GR III.

#shootGR_Cologne (Marc Barkowski @marc.barkowski)

Oben auf dem Heinrich-Böll-Platz[3] entstand wieder ein kleines Interview mit David. Unter dem Platz liegt die Kölner Philharmonie. Wir hatten Glück, denn während der Konzertproben und Vorstellungen darf der Platz nicht betreten werden, um die Akustik nicht zu stören.

Weiter führte uns der Weg am Museum Ludwig vorbei, wo Samuel die Gelegenheit nutzte, Heike ein paar Fragen zu stellen.

Auf der Domplatte[4] und am Treppenaufgang zum Bahnhofsvorplatz ist meistens sehr viel los. Dank des Durchgangsverkehrs ein guter Spot zum Fotografieren. Die Treppenstufen am Dom werden gerne als Sitzgelegenheit genutzt und laden zum Verweilen und Beobachten ein.

Samuel filmte unaufhörlich weiter und zückte ab und zu seine Ricoh GR für ein paar Aufnahmen.

Dieses Bild ist ein gutes Beispiel dafür, dass die zufällige Begegnung eine besondere Sprache spricht, die der Streetfotograf, in diesem Fall David, als Einladung versteht, den Moment mit einem Augenzwinkern einzufangen. Tatsächlich hatte David mehrere Minuten Zeit, diese Situation fotografisch aus verschiedenen Perspektiven festzuhalten, ohne von den beiden Protagonisten bemerkt zu werden. Bis zu dem Moment, in dem sich die Rute des Hundes bewegte und beide aufstanden. Herrchen und Hund standen nun, die Situation war, wie eine Seifenblase, zerplatzt.

Zeit für eine kleine Pause.
V. l. n. r.: David Shokouhbeen, Samuel Lintaro Hopf, Heike Frielingsdorf

Die Sonne gewann erneut die Oberhand. Bewegung ist für den Streetfotografen alles, daher machten wir uns schnell wieder auf den Weg.

Heike lehrte mich hier, einmal anders an das Fotografieren von Straßenkünstlern heranzugehen und ein Bild zu schaffen, das nicht unbedingt dem Klischeefoto entspricht.

Streetfotografie funktioniert in vielerlei Hinsicht. David zeigt Liebe zum Detail, denn auch Gegenstände können das Objekt der Begierde bei der Motivwahl sein.

Nach fünf Stunden als unsichtbarer Begleiter endete diese Reise für mich am Neumarkt. Ich trat zufrieden meinen Rückweg an, im Gepäck eine Menge frische Eindrücke und neue Bilder auf der Speicherkarte.

Das fertige Video für das GR-Cities zu Gast in Köln Projekt könnt Ihr Euch hier anschauen: https://bit.ly/3zjZR07


Werde auch Du ein Teil des GR Cities Projekts in Deutschland!
GR Cities ist ein Projekt von und mit GR-Fotografen auf der ganzen Welt, die ihre Städte in Bildern präsentieren, die mit einer Ricoh GR aufgenommen wurden. Teilt auf Instagram Eure Bilder, zeigt Eure Eindrücke, Gefühle und die Freude an Eurer Heimatstadt oder an Städten, die Ihr besucht habt.

Macht mit und teilt Eure Bilder aus Deutschland. Bitte nutzt den Hashtag #shootGR_[Stadtname in Englisch] und zeigt uns, welche deutsche Stadt am stärksten vertreten ist. Aus der stärksten Stadt werden wir 4 – 6 Bilder auswählen und im Magazin abdrucken.

Verwendet den Hashtag #shootGR_[Stadtname in Englisch] wie in dem folgendem Beispiel:

#shootGR_Cologne (Heike Frielingsdorf @heikefrielingsdorf)

Folgt den GR-Cities-Hashtags und genießt online die Bilder auf Instagram. Ihr könnt weltweit hunderte Städte erkunden, ganz ohne Reisebudget.

Instagram: instagram.com/ricoh_gr_photography/

Youtube: RICOHGRPHOTOGRAPHY


[1] Einen Kronleuchtersaal kennt man eher aus Schlössern und Villen. Doch in Köln gibt es sogar einen in der Kanalisation. Der Kronleuchtersaal am Theodor-Heuss-Ring ist ein einzigartiges Denkmal der Kölner Stadtgeschichte. Hier finden regelmäßig Führungen und Konzerte statt.
Mit der Stadterweiterung Ende des 19. Jahrhunderts wurde auch die Kölner Kanalisation modernisiert. Nach dem Vorbild von Städten wie Paris und Wien entstand ein Abwassersystem, das noch heute von der Kunst der Kölner Ingenieure und Baumeister zeugt. Das Vereinigungsbauwerk, das der Entlastung der Kanalisation bei Starkregen dient, wurde für den Besuch Kaiser Wilhelms II. mit zwei Kronleuchtern ausgestattet.

Bis heute ist der Kronleuchtersaal funktionierender Bestandteil des Kölner Abwassersystems und gleichzeitig historisches Denkmal. Er hat aber auch eine faszinierende Akustik zu bieten. Deshalb finden hier seit über zehn Jahren regelmäßig Klassik- und Jazzkonzerte statt, die sehr stark nachgefragt werden. Und damit man sich ganz auf die Klänge konzentrieren kann, gibt es zur Sicherheit das Pfefferminz-Sträußchen für die Nase dazu.


[1] https://www.steb-koeln.de/service/Kronleuchtersaal/Inhaltsseite.jsp

[2] https://pxp.ricoh-imaging.de/project/gr-festival-2019/

[3] Quelle: http://www.koelnwiki.de/wiki//Heinrich-Böll-Platz

[4] Domplatte ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die den Kölner Dom seit 1970 umgebende 7000 m² große Fußgängerplattform. Quelle: Wikipedia

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2 Kommentare

  1. Hi Marc! Wow – klasse Bericht, total interessant zu lesen, was sich hinter den Kulissen so alles abgespielt hat, vielen Dank für deine Schreib-Mühen! Gefällt mir sehr gut, die drei mal live und in voller Ricoh-Farbe in Action zu sehen, echt gut (und das, obwohl ich ein Sony-Shooter bin ;-)! Herzliche Grüße aus Braunschweig von Thomas

    • Marc Barkowski
      18. Juni 2021

      Vielen Dank für deinen Kommentar, darüber freue ich mich sehr!

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