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Wätrler  haben ihnen das größte  Mandat in der Ge-
                 schichte unseres Landes gegeben  . . . "
                 ,,Was  die Wähler denken,  ist mir doch keinen  müden
                 Furz wert. Aber wie steh ich denn vor meiner  Frau
                 da?!"
                 ,Tja',  dachte Lickman  und unterdrückte  ein Grin-
                 sen. ,In  deinem  Sctrlafanzug  möchte ich nicht stek-
                 ken, Mann.  Wahrscheinlich hast du sie seit dreßig
                 Jahren nicht mehr gepimpert.  Solltest vielleicht  we-
                 niger Schokolade  fressen und deinen Schwanz ab
                 und zu mal unters  kalte Wasser  halten . . .'
                 ,,Sir",  sagte er,  ,,denken Sie daran, was wir bei den
                 Pfadfindern  gelernt  haben:  ne kalte Dusche und 'n
                 warmes Plätzchen  zum . . ."
                 ,,Was  reden  Sie da für einen Schwachsinn?!",  unter-
                 brach  ihn der Präsident und starrte  ihn entgeistert
                 an.
                 ,,Sorry...ähm..."
                 ,,Also  lassen Sie michs mal ganz klipp und klar sa-
                 gen: Sie sorgen dafür, daß  diese  Boys nicht aus der
                 Reihe  tanzen und wie anstäadige  Patrioten in den
                 Bunker  gehn für das,  was sie verbrochen  haben. Und
                 ich garantiere,  daß ich umgehend von meinem  Begna-
                 digungsrecht  Gebrauch machen werde  . . ."
                 ,,Sir  .!", Lickman  sprang  auf.  ,,Ist  das eine ver-
                 bindliche Zusage?  Nq leck mich,  das kriege ich in
                 Null-Komma-Nix  hin! Das geht wie's Katzenficken!

                 ,,Werden  Sie nicht vulgär",  sagte  der Präsident  mit
                 Würde.  ,,Nennen  Sie mir den Preis . . . wir können
                 eine Million zusammenkriegen,  wenn's  sein muß . . .
                 nicht einfach, aber es lißt sich machen  . . . ich weß
                 auch schon, wie . . ." Er rülpste, stemmte sich  aus
                 seinem Sessel  hoch, ging zu Lickman hin, legte den
                 Finger auf den Mund, packte Lickman  am Armel
                 und zog ihn konspirativ hinter sich her ans offene
                 Fenster.
                 ,,Ich  habs!", flüsterte er mit einem irren Glitzern  in
                 seinen zusammengekniffenen  Triefaugen.,,Ich  habs!
                Passen.sie  auf:  unsere  Jungs machen einen Einbruch,
                klemmen sich die Unterlagen und spicken den gan-
                zen Laden mit elektronischen Wanzen.  Dann  wissen
                wir jederzeit,  wer fiir uns ist, und wer gegen uns ist
                 . . . Na? ! . . . " Er blickte Lickman triumphierend  an.
                Lickman  überlief  es kalt. Er kam sich vor wie in ei-
                nem schlechten Science-Fiction-Fi1m.   Gott',
                                                "Mein
                dachte  er,  ,das  Arschloch  ist ein klinischer Fall! . . .'
                 ,,Sir",  sagte er fassungslos,  ,,der  Einbruch  hat doch
                schon stattgefunden.  . ."
                 ,,Ja, und sorgen  Sie dafrir, daß ich da nicht mit hi-
                neingezogen  werde. Die Weste des Präsidenten,
                Lickman, darf durch keine verdächtigen  Rotzschlie-
                ren verunziert  werden . . . hoho! . . " DerPräsident
                unterbrach sich und lauschte  mit einem  verzückten
                Lächeln  dem Klang seiner Worte nach . . .  ,,Hervor-
                ragend! Erinnern Sie mich, Lickman  . . . das muß
                ich unbedingt  in meiner Fernsehrede  anbringen . . .
                jawohl  . . .  ,Die  Weste  des Präsidenten  . . .' einfach
                hervorragend . . . ein volkstümliches  Bild . . . ker-
                nig . . . Sie werden  sehen,  das wird hervorragend  an-  Mary Beach  lebt in Kalifornien.  In den 60er Jahren  Verle-
                kommen!  ... "                               gerin in San  Francisco  (Beach  Books Texts & Documents).
                                                             Veröffentlichungen:
                Lickman sah verzweifelt  auf seinen Armel herunter.  Electric Banana  (1970)
                Der Präsident hielt ihn noch immer fest.     Carl Weissner:  früher Croupier,  jetzt  ijbersetzer.  Lebt in
                ,,Sir..."                                    Mannheim.  Mitarbeit bei führenden  amerikanischen und
                ,,Mr  werden diesem verschissenen Volk die Liebe  deutschen  Literaturzeitschriften  (San Francisco Earthquake,
                zur Demokratie anerziehen,  und wenn wir sie dazu  Coldspring  Journal, Klactol23,  UFO, Gasolin  23 *a.)
                                                             Veröffentlichungen:
                ins KZ stecken  mü§sen!", deklamierte  der Präsident  The Braille Film (1970)
                zum Fenster hinaus.  Seine Augen leuchteten.  Das Komplott  c 1977 by Mary  Beach  & Carl Weissner
                Schaum stand ihm vor dem Münd.
                                                                                                        1l
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