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Rosenmontag 2018 in Köln

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Ja, da war er, der Tag meiner großen Überwindung. Der Rosenmontagszug. Eigentlich freuen sich da 95% der Kölner drauf und rennen alle, bewaffnet mit Smartphone und Kamera zum Zug. Ahja und natürlich mit Tüten für die Kamelle. Ich wollte den Tag zum Anlass nehmen und mich mit meiner Kamera bewaffnet zum Zug bewegen.

Nachdem das morgendliche Prozedere erledigt war, Akku in der Tasche und Kamera um den Hals, kam erste mal dieses Hassgefühl. Bleib zu Hause. Begleitet von Kribbeln im Bauch. Ich fühlte mich, als würde ich zum Galgen geführt werden. Ich weiß nicht, zumindest noch nicht, warum das so ist. Ich weiß nur, dass es mir dermaßen auf die Nerven geht, dass ich es am liebsten aus dem Fenster werfen würde, wenn es den ginge.

Ich machte mich trotz Bauchschmerzen auf den Weg zum Zug. Begleitet von Anspannung und Unwohlsein. Ausgestiegen bin ich an der Severinsstrasse, wo schon Massen an Menschen warteten und die ersten Wagen schon vorbeizogen. Ich begann meine ersten Bilder zu machen. Von Konzentration, Fotoblick und Freude am Fotografieren war weit und breit nichts zu sehen. Es setzte ein gewisser Trotz ein. Du blödes Gefühl, such dir einen anderen und lass mich in Ruhe. Ich werde jetzt Fotos machen, ob du das willst oder nicht.

Das, was mir klar war, war das an einer Stelle stehen nicht viel Sinn macht, da man irgendwie 100 gleiche Fotos macht. Das mir das auffiel fand ich schon richtig gut 😉 . Ich musste mich also bewegen, Perspektive suchen.

Die Massen von Menschen wollte mich dazu bringen, wieder nach Hause zu fahren. Es war sehr erdrückend. Anstatt es einfach zu genießen und in der Menge abzutauchen, wollte mein Kopf eher denken. 100 tolle Motive sind an mit vorbei gelaufen, ohne das ich auf den Auslöser gedrückt habe.

Ich überlegte mir eine Strategie. Ich fing einfach an, die zu fotografieren, die am Zug teilnehmen. Die werden schon nichts sagen. Klar werden sie das nicht, aber es hat einen Moment gebraucht, um es zu verinnerlichen.

Ich entschied mich, von der Severinsstrasse zum Chlodwigplatz zu spazieren. Gute Idee 🙂 Das waren eine Million Menschen zwischen mir und dem Ziel. Eine Million Menschen und zwei Millionen Motive. Ich träumte davon, wie es wäre, nicht so zu sein und einfach mit den Menschen zu sprechen und sie zu fotografieren und ihnen die Bilder zu schicken und ihnen eine Freude zu machen. Schöne Gedanken, aber momentan nicht umsetzbar.

Mit viel Gänsehaut und Unwohlsein kam ich doch irgendwann an meinem Ziel an. Am Chlodwigplatz war es viel leerer und ich hatte wieder Luft zum Atmen.

Was mir an dieser Stelle aufgefallen ist, das die Tatsache, unverkleidet zum Zug zu gehen, um Fotos zu machen, eine scheiss Idee ist. Ich fühlte mich wie angezogen am FFK Strand. Hätte ich mir einfach ein Rot-Weißes Shirt angezogen, mir ein Bier geholt und wäre dann losgezogen, wäre es wahrscheinlich viel angenehmer gewesen. Kommt auf die Liste fürs nächste Mal.

Zurück zum Thema.

An der Bonner Strasse standen nun keine Millionen Jecken auf dem Strasse. Voll toll, ich konnte mich auf meine Motive konzentrieren. Vorausgesetzt Konzentration wäre da gewesen. Ich sah ganz viele Motive, hab mich aber nicht getraut, sie so zu fotografieren , wie ich es in meinem Kopf sah. Ich sah eine tolle Reihe von Portraits mit Menschen, die mir in die Kamera lächeln. Genug wären da gewesen. Aber da war es, dieses Gefühl, was mich von der Strasse zerren wollte. Aber nichts da.

Da gab es noch ein anderes Gefühl. Ich musste so an Robert Capa denken. “If the photo is not good enough, you are not close enough”. Ich hab so viele lächelnde Gesichter gesehen die mich angelächelt haben und die auch bestimmt nichts gegen eine Foto gehabt hätte, aber ist nicht… 🙁

Was mir jedoch an dieser Stelle aufgefallen ist, das es Menschen gab, die mir in die Kamera gelächelt haben. Sie haben nicht nur gelächelt, sondern auch gewinkt und mir den Daumen hoch gezeigt. Es machte etwas komisches mit mir. Es erwachte ein gewisses Gefühl des Selbstbewusstseins. Und plötzlich fing es an, Spass zu machen. Das war das erste mal das ich so eine positive Erfahrung gemacht habe und es war toll. Jedoch fühlte ich, dass es nur eine Momentaufnahme war. Ziel ist an dieser Stelle, das es nicht nur ein Moment ist, sondern der Allgemeinzustand.

Rein Fotografisch habe ich so viele Fehler gemacht, da ich vielmehr damit beschäftig war, vor lauter Denken nicht vor die Straßenlaterne zu laufen, anstatt mich auf mein Können zu konzentrieren. Bilder sind schief, zu dunkel, zu hell und gefühlt 100% der Füsse sind abgeschnitten. Eine richtige Meisterleistung nach 15 Jahren Fotografieerfahung.

Gemacht habe ich alle Fotos mit der Leica M8 und dem 35mm Objektiv (50mm auf Crop). Ich werde hier nun sehr viele Fotos zeigen und ich möchte auch die Gründe darlegen.

Man sagt ja, zeige immer nur deine besten Fotos. Zu meinen Besten gehören diese sicherlich nicht, wenn auch nicht zu den schlechtesten. Ich sehe die Fotostrecke eher als eine Ausflug und möchte Menschen, die den Rosenmontagszug noch nicht gesehen haben, zeigen, wie ich es sah, bzw. was man dort zu sehen bekommt. Es geht nicht um Fotokunst, sondern um einen Einblick in das Event.

An dieser Stelle wünsche ich euch viel Spass beim Bilder gucken und Danke fürs Lesen. Ich bin sicher nicht der einzige auf der Welt, den solche Ängst plagen, schreibt mir doch wie ihr damit umgeht.

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