New York is New York


Vor ein paar Monaten las ich etwas über eine Ausstellung. Sie hieß „Entscheidungen“.

Es ging darum, wie jeder von uns jeden Tag Unmengen an Entscheidungen trifft und fast jede davon dem Leben eine andere Richtung gibt. Manchmal zum Besseren, manchmal nicht. Manche haben große Auswirkungen, andere nur ganz geringfügige. Das ist ein interessanter, philosophischer Ansatz, findet Ihr nicht?

Ich selbst traf meine Entscheidung, einen Foto-Workshop in New York zu buchen, sehr kurzfristig und spontan. Ich wusste, dass mir nach Öffnung des Buchungsportals nur sehr wenig Zeit bliebe, um einen der begehrten Plätze zu ergattern.

Als ich ein paar Wochen später dann mit gepackten Koffern allein am Schalter der Airline stand, machte ich mir schon ein paar Gedanken darüber, was mich wohl erwarten würde in dieser großen Stadt, die niemals schläft.

Meine Sorgen waren absolut unbegründet. Einmal dort angekommen, wurde ich überall freundlich empfangen. Stets gab es nette Menschen, die mir bei Fragen behilflich waren.

Und New York selbst? Am besten beschreibt ein Zitat aus einem amerikanischen Kinderbuch meine Eindrücke. Darin versucht eine Figur, einem kleinen Mädchen namens Rose New York zu erklären: „Weißt Du Rose, man erkennt eine wirklich große Stadt an der Anzahl kleiner Orte, die sie bietet. Je größer die Stadt, umso kleiner die Räume, und umso mehr gibt es davon. Hier in New York türmt sich Geheimnis auf Geheimnis, Welt auf Welt auf Welt.“

Und so war es kein Wunder, dass mich die Stadt vom ersten Augenblick an in ihren Bann zog. Wann immer eine Tür zu einer neuen Welt auch nur einen kleinen Spalt breit offenstand, führte mich meine Neugierde hindurch. Empfangen wurde ich von freundlichen Menschen, die mir bereitwillig ihre kleine Welt zeigten und die New York für mich so besonders machten.

Was meine Fotografie angeht, so habe ich die Vorstellung, außerhalb meiner bekannten Welt besser zu fotografieren. Es gibt da den offenkundigen Unterschied zwischen der Darstellung des Exotischen und dem des Vertrauten. Das war für mich in New York nicht anders. Die Stadt bot so viele neue Eindrücke, dass ich aufpassen musste, mich nicht zu verlieren. Doch genau das zeigten die Fotos meines ersten Tages: Chaos …

Erst die Workshops am zweiten und dritten Tag meines Aufenthalts halfen mir, meine Gedanken zu ordnen und meinen Blick wieder zu beruhigen.

Meine Tage in dieser pulsierenden Stadt waren halbwegs gut strukturiert, den Rest ließ ich einfach auf mich zukommen. Das war ein guter Mix, der mir half, nicht ständig in Zeitnot zu geraten, sondern mir genug Raum zum Flanieren ließ.

So blieb ich spontan zum Sonnenuntergang im Battery-Park, verbrachte mehr Zeit als geplant auf der 5th Avenue oder unterhielt ich mich mit Ali, der aus Alexandria stammt und in seiner rollenden Küche täglich Essen im Financial-District anbietet. Er kann recht gut davon leben, auch wenn er pro Jahr 20.000 Dollar Standgebühren an die Stadt New York zahlen muss.

In New York „Street“ zu fotografieren ist problemlos, wenn man den Menschen respektvoll gegenübertritt und ein paar Regeln im

Umgang mit der Polizei beachtet. Die meisten New Yorker erscheinen gehetzt, auf sich selbst fokussiert und interessieren sich nicht wirklich für das, was Du gerade mit Deiner Kamera machst.

Meine spontane Entscheidung, den Workshop zu buchen, hat meinem Leben als Fotograf tatsächlich eine andere Richtung gegeben. Dieses Mal zum Besseren.

Was außerdem bleibt, ist die Erinnerung an eine pulsierende Stadt, die niemals schläft, denn, hey

„New York is New York“

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