Meet and Street – Treffen für jedermann


Wir haben den 10. Juli 2021 und es ist kurz vor 8:00 Uhr als ich mit meinem Auto in Troisdorf parke. Ich bin für 8:00 Uhr mit Marc, meinem Freund und Redaktionskolle­gen von Soul of Street verabredet. Gemeinsam wollen wir uns auf den Weg nach Frankfurt machen, denn dort, so habe ich vor ein paar Wochen erfahren, organisieren Stefan Lauterbach und Gerald Prechtl ein Meetup, Treffen, Event oder wie auch im­mer man es nennen möchte. Fakt ist, dass ich beide bereits kenne. Stefan habe ich auf einem Walk kennengelernt, allerdings weiß ich gar nicht mehr, ob es in Köln oder in Frankfurt gewesen ist. Was ich aber weiß ist, dass Stefan ein feiner Kerl ist und mittlerweile auch Kollektivkollege bei Off Perspective sowie ein Fotobuddy von mir ist. Ein feiner Kerl ist auch Gerald. Ihn habe ich in Köln kennengelernt, als er zum Foto­grafieren extra vorbeigekommen ist. Sabine Mondorf aka sa_mondo hatte ihn mir vorgestellt. Gerald gehört dem Nürnberg Unposed Kollektiv an. Und wenn ein Frankfurter und ein Nürnberger sich die Arbeit machen und ein Treffen für alle Kollektive organisieren, dann bin ich doch gerne dabei und nach der Corona Pause sowieso.

Es war also, wie bereits erwähnt, gegen 8:00 Uhr, als wir uns auf den Weg nach Frankfurt machten. Ebenfalls mit dabei, aber im eigenen Wagen war Horst, unser Lay­outer und der Dritte im Bunde von Soul of Street. Marc und ich quatschten während der Fahrt darüber, was uns wohl alles erwartet und wer kommt. Bei mir waren ein paar weiße Flecken auf der Landkarte geblieben, wo ich nicht genau wusste wer und ob von dort jemand kommt. Da wären dann die Münchner, Berliner und Gütersloher. Marc sagte mir, dass aus Berlin Oliver Krumes kommt und aus München wusste er auch keinen Teilnehmer, genau wie bei den Güterslohern. Beide Städte blieben weiß, dafür kam aber Julia und Britta aus dem neu gegründeten Kollektiv aus Hamburg, wie ich einen Tag zuvor erfahren habe. In Frankfurt angekommen, parkte ich direkt am Motel, welches Gerald empfohlen hatte. Ich weiß aus Erfahrung, dass meist am Abend eines Events mit wirklich guten Gesprächen und einem leckeren Bier der Höhepunkt erreicht wird. Also blieb ich über Nacht, während Marc und Horst am Abend bereits wieder Richtung Köln fuhren. Zu meinem Erstaunen konnte ich bereits um 10:00 Uhr im Motel einchecken, was mich sehr freute, denn so brauchte ich mich später nicht darum küm­mern. Das Einchecken ging sehr schnell und war in Zeiten von Corona jedoch ohne großen Aufwand erledigt. Danach ging es mit Marc und Horst zum Willy. Mit Willy ist der Willy-Brandt-Platz gemeint, der keine fünf Gehminuten vom Motel entfernt lag. Dort angekommen stießen wir schon auf eine Gruppe Fotografen.

Es war schön, dort bereits viele Gesichter wiederzusehen, aber auch schön einige neue Fotografen kennenzulernen. Während sich eine Gruppe dann langsam zum Treffpunkt an der Uni aufmachten, ging ich mit den Nürnbergern, die noch im gleichen Motel einchecken mussten, zurück zum Motel. Ich machte mich eben noch frisch und ging dann vor das Motel. Wir warteten dann noch eine Zeit lang auf Wolfgang, der noch einen negativen Test brauchte, um einzuchecken können. Das habe ich bis heute nicht verstanden, warum man keinen Test braucht, wenn man geschäftlich ein­checkt und wenn man als Privatperson einchecken möchte einen negativen Test braucht. Na ja, das ist aber ein anderes Thema. Nachdem Wolfgang dann auch da gewesen ist, gingen wir zurück zum Willy und stiegen in die U-Bahn ein und fuhren ein paar Stationen zum Treffpunkt. An der Goethe Uni staunte ich dann nicht schlecht, als ich diese große Ansammlung an Fotografen gesehen haben. Ich persönlich hatte von 40 gehört und mit 30 gerechnet. Dort standen dann aber über 50 Fotografen aus ganz Deutschland. Und mit Daniel und Tom wurde das ganze dann aber auch noch international, denn die beiden kamen aus der Schweiz.

Es dauerte nicht lange und Stefan und Gerald hielten eine kurze Rede, wo sie uns mitteilten, was alle schon wussten. Wir sollen viel Netzwerken, uns verteilen und Frankfurt auf eigene Faust erkunden und fotografieren. So war der nächste Treffpunkt knapp vier Stunden später an der Alten Oper.

Ich besorgte mir etwas zu trinken und zog mit einer kleineren Gruppe von Fotografen dann los in Richtung Oper und Frankfurter Innenstadt. Es war schön, nach so langer Zeit mal wieder draußen zu sein, seinem Hobby nachzugehen und mit anderen Foto­grafen zu quatschen – über das Hobby, was uns alle vereint. Dabei war ich erst vor ein paar Wochen mit den ersten größeren Lockerungen mit Off Perspective in Koblenz gewesen. Und schon diese Zeit habe ich sehr genossen. Doch das hier in Frankfurt war so eine andere Hausnummer. Die Menge an Fotografen, die Stadt und … Ich kann es nicht in Worte fassen, was da noch alles gewesen ist, aber mir war klar, als ich die Leute an der Uni sah und auch die ganzen strahlenden Augen, dass das wieder statt­finden muss, weil die Veranstaltung einfach das … hatte.

Viele Gespräche und einem Essen später, zudem ich zufällig dazu gestoßen bin, ging es wieder zur Alten Oper, wo sich dann alle wieder einfinden sollten. Dort traf ich auch Marc und Horst wieder, die den ersten Teil mit einer anderen Gruppe zusammen ge­gangen sind. Marc traf auch seine Tochter wieder, die in der Nähe von Frankfurt lebt. Von der Oper ging es dann in Richtung Unter Mainbrücke. Zeitvorgabe: zwei Stunden. Diesmal schloss ich mich einer zum Teil anderen Gruppe an und erkundete noch ein wenig die Unterwelt von Frankfurt – die U-Bahn-Stationen. Eine sehr schöne Ab­wechslung, obwohl ich jetzt bereits einige Male in Frankfurt zum Fotografieren gewe­sen bin, habe ich mich noch nie groß in den U-Bahnen umgeschaut und ich weiß jetzt, dass ich beim nächsten Mal definitiv wegen der U-Bahn-Stationen hinfahren werde. Sie sind nicht besonders schön, aber mit einem suchenden und wachen Auge findet man viele gute Motive.

An der Unter Mainbrücke angekommen war ich sehr erstaunt, wie viele Menschen es sich auf den Wiesen direkt am Main gemütlich gemacht haben. In Köln ist es ja nicht so, dass wir mitten in der Stadt noch Wiesen am Rhein haben und man die Füße ins Wasser stecken könnte. Das ist hier in Frankfurt oder auch in Hamburg ganz anders. In Köln ist alles umzäunt. Ich gesellte mich zu den anderen auf der Wiese und trank erst mal ein kühles Blondes, welches ich mir am sogenannten Döner Boot direkt an der Unter Mainbrücke gekauft hatte. Das Bier hat richtig gutgetan bei dem großartigen Wetter, welches wir erwischt haben. Und ganz getreu des Treffens „Netzwerkt und fotografiert“ machte ich damit auch weiter und genoss die Location, die Menschen und den langsam hereinbrechenden Abend. Das ist genau meine Welt.

Und dann hatte man das Gefühl, dass auf einmal Hektik ausbricht. Alle Fotografen machten sich auf, um unter der Brücke Fotos aufzuhängen. Das war ein Highlight, welches viele Fotografen noch nicht kannten. Ich möchte hier einfach mal behaupten, dass wir von Soul of Street so ein wenig die Väter in der Streetszene für Guerilla Ausstellungen sind. Soul of Street macht diese Art von Ausstellungen auf den Walks in einer gewissen Regelmäßigkeit. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit noch mit Gerald darübergeschrieben, da sie ebenfalls eine Guerilla Ausstellungen machen wollten und zwischenzeitlich schon gemacht haben. Ich hatte ihm grob erzählt, wie es bei uns abläuft und dass wir auch Flyer haben, wo wir kurz und knapp beschreiben, warum wir das machen und das die Bilder für die Leute zum Mitnehmen sind. Nürnberg setze die Guerilla Ausstellung um und ich konnte sie mir auf Bildern ansehen und Texte dazu lesen und dachte mir, dass die Guerilla Ausstellung auf eine andere Ebene ge­hoben wurde. Super.

Jetzt stehen knapp 50 Fotografen mit Bildern bewaffnet in Frankfurt unter einer Brü­cke und pflastern sie damit zu. Guerilla Ausstellung Level 3. Geil! So kann man es beschrieben. Jeder hatte Spaß, seine Bilder aufzuhängen. Ich möchte hier auch aus­drücklich betonen, dass bei einer Guerilla Ausstellung nichts beschädigt wird. Es wer­den weder Nägel oder Ähnliches in die Wände geschlagen, sondern alle Bilder werden mit Klebestreifen an den Wänden angebracht. In Frankfurt konnte man sogar be­obachten, dass die Fotografen die Klebestreifen direkt wieder entfernt haben, sobald jemand ein Bild abgenommen hatte. Aber ich möchte nicht vorgreifen.

Also: Jeder Fotograf hatte Spaß, die Bilder aufzuhängen. Natürlich wurde im Vorfeld bereist darüber informiert, dass eine Guerilla Ausstellung geplant ist und jeder Teil­nehmer zwei bis drei Bilder mitbringen sollte. Ich entschied mich dafür, ein Angebot zu testen und bestellte für die Ausstellung drei Bilder in 20×20 auf Forex. Forex ist eine Art Schaumstoffplatte, auf die die Bilder aufgezogen bzw. aufgedruckt werden. Ein Bild behielt meine Frau direkt ein und somit schafften es nur zwei Bilder nach Frankfurt.

Und dann hingen die ganzen Bilder dort unter der Brücke am Main, dieser unglaubli­chen Location an diesem traumhaften Abend. Die ganzen glücklichen Menschen auf der Wiese und viel Spaziergänger. Genau das, was es für eine solche Ausstellung braucht. Publikum. Menschen, die sich unsere Bilder anschauen, die wir meist unge­fragt auf der Straße machen und mit so einer ungefragten Ausstellung auch wieder an die Protagonisten zurückgeben möchten. Viele Fußgänger haben sich unsere Bil­der angeschaut, sind stehen geblieben, haben gelächelt oder mit ihren Partnern oder Freunden über die Szenerien unserer Bilder gesprochen. Es war sehr schön zu sehen, dass die Menschen, welche selbst vermutlich nicht in diesem Genre fotografieren oder überhaupt nicht fotografieren, sich so über diese Bilder freuen und fotografieren.

Die ersten Passanten nahmen zögerlich und mit fragenden Blicken die ersten Bilder ab. Der ein oder andere Fotograf ging danach auf die Leute zu und suchte das Ge­spräch. So auch ich, als eine Frau ein Foto von mir abnahm, welches sie mehrere Minuten mit ihrer Tochter angeschaut hatte. Ich unterhielt mich kurz mit ihr und fragte natürlich, was ihr an dem Bild gefiele. Am Ende fragte ich sie, ob ich mir zur Erinne­rung noch ein Foto machen dürfte, auf welchem sie das Bild in den Händen hält. Ich durfte … Für mich ein gelungener Abschluss eines schönen Tages und eines großar­tigen Events.Danach ging es neben der Brücke noch in einen Biergarten und man erzählte sich vom Tag, von Fotografie und von einer Wiederholung. Jedes Jahr ein oder evtl. zwei­mal so etwas zumachen. Immer eine andere Stadt. Hamburg, Hannover und Dresden haben sich sofort angeboten. Wie Stefan und Gerald das Regeln werden, wird sich zeigen. Aber es ist in Stein gemeißelt, dass es so ein Treffen im Jahr 2022 wieder geben wird.

Das Ende des Tages ist noch schnell erzählt: Nach dem Biergarten machten wir uns auf den Weg zum Motel und verweilten noch fünf Minuten zum Fotografieren an einer Art Mini-Kirmes. Hier entstand dann noch eine weitere Idee: die Idee eines „Kol­lektiven 3 Blickwinkel“. Was die 3 Blickwinkel sind, könnt ihr auf der Homepage von Off Perspective nachlesen. Von der Kirmes ging es dann aber direkt ins Motel, wo bereits eine Gruppe von ca. 10 Personen draußen auf der Terrasse gesessen hat. Wir gesellten uns dazu und bestellten noch Bier und Gin. Und dann kam Bernd. Man könnte es auch als Vorboten des Unwetters bezeichnen. Es blitzte, es regnete und es windete und somit zerstreuten sich schnell unsere Wege auf der Flucht ins Trockene. Es war bereits nach Mitternacht und somit Zeit für mich aufs Zimmer zu gehen, denn ich wollte am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück eine kleine Runde fotografie­ren gehen und dann zurück nach Köln fahren. Und genauso machte ich es auch. Ich traf mich mit Philipp Stenglin und wir gingen erneut zum „Willy“ und von dort aus dann zum Börsenplatz. Wir sahen ein menschenleeres Frank­furt, viel Müll und viele Obdachlose. Aber nichts zum Fotografieren. Somit ging es nach ca. einer Stunde wieder ins Motel zurück und damit auch zum Frühstück. Es wurde wieder „genetworkt“, Instagram Kanäle geliked und wurde sich verabschiedet. Und jeder fuhr wieder nach Hause in alle Teile von Deutschland und in die Schweiz. Alle Teilnehmer sind sich einig: Es war ein wunderschönes Wochenende, welches noch lange nachhallt! Und alle wollen eine Wiederholung im Jahr 2022. Egal ob in Hamburg, Hannover, Dresden oder in irgendeinem Dorf in der Pampa. Wir kommen alle wieder und freuen uns jetzt schon darauf!

Eine Auswahl an Bildern findet Ihr auf Instagram unter dem Hashtag #streetFFM2021

Anmerkung der Redaktion:

Kurz vor Druck wurde uns mitgeteilt, dass das zweite Treffen der Street Kollektive für jedermann am 9. Juli 2022 stattfinden soll. Markiert Euch das Datum schon mal in Eurem Kalender. In welcher Stadt das Treffen stattfindet, stand bei Redaktions­schluss noch nicht fest.

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