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Die Reise zur Entschleunigung

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Während meiner zahlreichen Reisen nach Südostasien hatte ich immer wieder die Gelegenheit, buddhistische Klöster aufzusuchen. Nicht nur die, die in Reiseführern aufgeführt sind, sondern insbesondere die kleinen, die unscheinbaren Klöster in der Provinz. Dort, wo sonst kein Tourist auftaucht, wo Reisegruppen keine Station machen, gerade dort war es für mich am Interessantesten.

Die Bilder, die ich hier veröffentliche, entstanden zum Teil in Thailand, die Mehrzahl jedoch in Myanmar, dem ehemaligen Burma, wo 2012, als ich dort war, der Tourismus noch nicht das Ausmaß von 2015 und den folgenden Jahren angenommen hatte.

Auf meinem Treck von Kalaw zum Inle-See verbrachte ich 2 Nächte in 2 verschiedenen Klöstern und hatte Gelegenheit, mit den Mönchen in näheren Kontakt zu kommen! Buddhistische Klöster sind, wenn es sich nicht gerade um touristische Highlights, wie z. B. Wat Pho in Bangkok oder auch die Shewadagoon Pagode in Yangoon handelt, immer ein Ort der Ruhe und der Meditation, aber lange nicht der Abgeschiedenheit. Sie sind Mittelpunkt und Kristallisationspunkt des Dorfes oder der Kleinstadt in der sie gelegen sind.

Wenn wir, wir waren eine Kleingruppe von 4 Personen, 2 Australier, ein Japaner sowie meine Person, zusammen mit unserem Guide nach einer mehr oder weniger anstrengenden Tageswanderung, in der Regel zwischen 15 und 17 Uhr, an unserem Zielort ankamen, wurden wir von dem jeweiligen Abt empfangen und anschließend von einem der Mönche zu unserer Unterkunft auf dem Gelände des Klosters gebracht, wo wir unsere Schlafsäcke auf bereits ausgelegten Matratzen ausrollen konnten. Man hatte sofort den Eindruck: „Hier ist man willkommen!“ Zum Service gehörte auch ein Moskitonetz, was die lästigen Quälgeister wenigsten in der Nacht abhielt uns zu piesacken.

Anschließend hatten wir die Möglichkeit unseren Übernachtungsort näher zu erkunden. Dabei hatten wir überall Zutritt, haben aber, gerade bei den Gebeten im großen Versammlungssaal, immer versucht, respektvoll im Hintergrund zu bleiben, um die Mönche bei ihren Gebeten nicht zu stören. Das Fotografieren geschah immer mit Zustimmung des Abtes und den Mönchen. Auch das spiegelt die aus dem Glauben herrührende Toleranz der Menschen wieder. Dies wurde auch in den Gesprächen, die ich führen durfte, immer wieder deutlich, wobei die Sprache kein Hindernis war. Dadurch, daß Burma, jetzt Myanmar, viele Jahre eine britische Kolonie war, ist, auch wenn dies bereits seit Jahrzehnten vorüber ist, die englische Sprache weit verbreitet.

Die Tradition gebietet es, dass man als Junge, erstmalig im Alter zwischen 5 und 15 Jahren, als Novize für mindestens 7 Tage in ein Kloster eintritt. In seinem weiteren Leben soll er dann, nach Vollendung des 20. Lebensjahres, auf Zeit erneut in ein Kloster eintreten und hat dann zu entscheiden, ob er auf Dauer dort bleibt.

Mönche legen ein Armutsgelübde ab. Nur wenige Dinge nennen sie ihr Eigen: Ihre Kleidung, also die entweder orange oder braun eingefärbte Robe, Sandalen und, ganz wichtig, eine Schale womit früh am Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, das Essen für den Tag eingesammelt wird. Sie verlassen nach den ersten Gebeten ihr Kloster und gehen durch die umliegenden Straßen, wo die Bewohner ihre Nahrungsspende in diese Schale legen. Für die Menschen ist dies ein Herzensanliegen, durch Spenden an die Mönche ihr persönliches Karma zu verbessern.

Der buddhistische Glaube ist in Myanmar, so wie in vielen anderen südostasiatischen Staaten auch, tief in der Bevölkerung verwurzelt. Nach buddhistischem Glauben ist das jetzige Leben nur ein Glied in der Kette unzähliger Leben. Glück und Leid im jetzigen Leben sind die Konsequenzen eigener Taten in früheren Leben. Ob persönliche Schicksalsschläge oder Naturkatastrophen: Menschen ernten, was sie gesät haben. Wer arm ist oder ein gesundheitliches Handicap hat, hat dies seinem eigenen schlechten Handeln in früheren Leben zuzuschreiben. Andererseits: Gutes Handeln wird sich irgendwann auszahlen.

Man muss aber gerechterweise feststellen, daß der technische Fortschritt auch vor den Klöstern nicht halt macht….! Fernseher, Mikrofone, Lautsprecher um die Gebete auch nach außerhalb zu übertragen, „Public Hearing“, haben vielfach, nicht überall, Einzug in die Klöster gefunden. Ob dies die mit diesem Leben verbundenen Traditionen in den Dörfern positiv oder negativ beeinflussen wird, wird erst die Zukunft zeigen. Auch ein Mönch, der ein Smartphone an sein Ohr hält, ist keine Seltenheit mehr! Aber es bleibt dabei: Ein buddhistisches Kloster ist nach wie vor immer noch ein Ort der Ruhe. Ich hatte immer den Eindruck, daß sich die Welt dort langsamer dreht als außerhalb…….! „Entschleunigt“ halt!

Gerade in kleinen Ortschaften ist den Klöstern auch die örtliche Grundschule angeschlossen. Die Mönche übernehmen damit auch einen wichtigen Beitrag im Hinblick auf die Erziehung und Ausbildung der zukünftigen Generationen.

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