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Hanoi, die „alte Dame Asiens“

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Im Frühjahr 2014 unternahm ich im nördlichen Hochland Vietnams eine Treckingtour in der Umgebung von Sa Pa, nicht weit von der chinesischen Grenze entfernt. Der Weg dorthin führte mich zwangsläufig über Hanoi, der Hauptstadt des seit 1976 wiedervereinigten Vietnams. Jeweils einen Tag vor und nach meiner Reise in den Norden hatte ich die Gelegenheit, dieser Stadt, der „Alten Dame Asiens“, wie sie auch in einigen Reiseführern genannt wird, einen Besuch abzustatten.

Natürlich besuchte ich auch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten, wie den wunderschönen Literaturtempel, das Hồ Chí-Minh Museum sowie das sich direkt in der Nähe befindliche Hồ Chí-Minh-Mausoleum und, und und! Selbstverständlich gibt es auch das moderne Hanoi, mit Hochhäusern, Shopping Malls und Mietskasernen. Mein Hauptaugenmerk lag aber auf der Altstadt Hanois, mit ihren engen verwinkelten Gassen, mit ihren alten, noch aus der französischen Kolonialzeit stammenden schmalen, eng aneinander stehenden Häusern und ihren Bewohnern, die dort leben und ihren Lebensunterhalt verdienen.

Die 70 Jahre der französischen Kolonialzeit haben ihre Spuren hinterlassen: Baguette, Croissants, eine katholische Kirche, die St. Joseph Kathedrale, mit ihren bunten Fenstern, die im neugotischen Stil erbaut wurde.

Allgegenwärtig sind aber auch die, die Vietnam in die Unabhängigkeit geführt und, nach einem langen, entbehrungsreichen Krieg, wiedervereinigt haben. Hồ Chí Minh und der legendäre General der Việt Minh Võ Nguyên Giáp. Kein Souvenirladen kommt ohne ihre, in allen Größen vorrätigen Konterfeis aus. Kein Geschäft ohne ein Bild von einem der Beiden. Das Hồ Chí Minh Stelzenhaus, das Hồ Chí Minh Museum und das Hồ Chí Minh Mausoleum zeugen von der Verehrung, die die Vietnamesen ihrem Staatsgründer heute noch entgegenbringen.

Zentraler Treffpunkt, sowohl für die Vietnamesen als auch für die Touristen, ist der am Rande der Altstadt gelegene Hoan-Kein-See mit dem Ngoc-Son-Tempel. Die Ufer des Sees sind den ganzen Tag über gut besucht, wobei die Morgenstunden den joggenden und Thai Chi übenden Bewohnern Hanois gehört.

Aber auch das gehört zum Vietnam des 21. Jahrhunderts: Der ehemalige Todfeind hat in Form von McDonalds, Starbucks, KFC, Coca Cola und Burger King, wie überall in der Welt, so auch in Hanoi, Fuß gefaßt. Was würde „Onkel Hồ“ wohl dazu sagen?

Das Leben spielt sich in den engen Gassen der Altstadt ab. Teilweise kann man heute noch erkennen, daß ursprünglich jede Gasse einzelnen Gilden vorbehalten war. So gibt es z. B. heute noch eine „Pho Hang Quat“, in der Tempelartikel wie rote Kerzenleuchter, Grabkästchen etc. angeboten werden oder auch eine „Pho Hang Gai“, in der u. a. Seidenartikel und Lackarbeiten die Auslagen der Geschäfte füllen. In der Altstadt findet man unzählige kleine Geschäfte, Werkstätten und Restaurants.

Als Westeuropäer fällt man natürlich auf, man kann seine Herkunft nicht verleugnen. Man ist, wie es in Thailand heißt,  ein „Farang“! Aber die Menschen denen ich hier begegnet bin sind freundlich, neugierig und sehr kommunikativ. Man kommt mit ihnen schnell ins Gespräch. Die erste Frage mit der man in der Regel zuerst konfrontiert wird ist die Frage der Herkunft. Von Älteren in französischer, von Jüngeren in englischer Sprache. In diesem Zusammenhang erfolgt dann vielfach die Frage nach der familiären Situation, die für Vietnamesen anscheinend sehr wichtig ist.

Ein Highlight waren für mich die zahlreichen Essensstände. Die Küche befindet sich sozusagen auf der Strasse. Kleine Fleischspiesse mit einer scharfen Soße oder eine pikante Nudelsuppe, frisches Obst und Gemüse. Hier kann man dem Koch bei der Zubereitung über die Schulter schauen. Alles wird frisch zubereitet und ich habe noch nie irgendwelche Probleme gehabt. Nur eins sollte man, insbesondere bei Obst oder Salat beherzigen: „Cook it, peel it, or forget it!“ Alternativ zu den zahlreichen Essensständen kann man in eines der zahlreichen vietnamesischen Restaurant einkehren, wo man, zusammen mit einem zwar geschmacklich gewöhnungsbedürftigen Bier, landessprachlich Bia hoi, ein preiswertes und gutes Essen genießen kann.

Wie in allen aufstrebenden Metropolen Südostasiens ist  auch in Hanoi der Verkehr auf den Strassen nicht nur für den westlichen Touristen ein Alptraum! Das Überqueren einer Strasse kann schon einmal zu einem Abenteuer werden. Die zahlreich vorhandenen, laut knatternden Motorräder und Mokicks machten die Überquerung einer Strasse zu einem Hindernissparcour, wenn 5, 6, 7, 8 nebeneinander fahrende Zweiräder sich auf dich zu bewegen. Dazwischen aber bewegen sich, ganz gelassen, Fahrradrikschas, die hier den Personennahverkehr bewältigen und die auch gerne Touristen durch die Altstadt kutschieren. Ein Erlebnis der besonderen Art für die Besucher Hanois. Man sitzt bequem, hat eine andere Perspektive, fährt in gemäßigtem Tempo durch die Altstadt, kann sich alles in Ruhe anschauen und der Fahrer hält auf Zuruf seines Fahrgastes gerne einmal an der ein oder anderen Stelle an.

Ein wichtiges Transportmittel ist aber weiterhin das Fahrrad. Wenn man es nicht selbst gesehen hat, kann man sich überhaupt nicht vorstellen, was man mit einem simplen Fahrrad so alles transportieren kann…

Wer authentischen Alltag in einer noch intakten, asiatisch städtischen Struktur erleben will, dem sei ein Besuch Hanois wärmstens empfohlen.

4 KOMMENTARE

  1. Wunderschön beschrieben.Ich fühlte mich sofort mittendrin in dem ganzen Gewusel.Auch ich hatte,z.B. In Thailand (Puket) das erste Mal einen grossenRespekt davor über die Hauptstraße zu gehen.Danke für diesen schönen Beitrag.Cl.H.

  2. Sehr lebendig und bunt geschrieben. Macht Lust auf eine achtsame Reise zur alten Dame. Eine handvolle Bilder mag ich sehr. Sie weichen für mich sehr von den typischen Reisebildern ab. Ich vermisse hier die Möglichkeit, direkt einen Kommentar zum Bild geben. Geprägt von den sozialen Netzwerken 🙁
    LG, Ernst Wilhelm Grüter

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar! Ja, ich versuche bei meinen Projekten von den „typischen Reisebilder“ abzuweichen. Wenn mir das gelungen ist, ist die Aufgabe erfüllt. Herzlichen Dank!

  3. Man ist schon faziniert wenn man dieBilder sieht und den Bericht dazu liest.
    Wunderschöne Eindrücke. Und man mekrt sofort die Liebe zu Land und Leute und vorallem die Liebe zum fotografieren. Ein Profi kann das nicht besser machen. Super!!!
    Ich bin kein Freund von den Asiatischen oder amerikanischen Ländern (hat aber auch etwas mit meiner Flugangst zu tun), aber von diesen (und auch noch anderen ) Bildern sehr beeindruckt.
    Weiter so es ist eine bereicherung.
    LG
    Vera Nöthen

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