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Streetphoto Workshop Zingst

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Vor einigen Wochen wurde ich von Panasonic dazu eingeladen, an einem Streetphoto Workshop teilzunehmen. Dieser Workshop ging über zwei Tage, richtete sich an Teilnehmer, welche bereits über grundlegende Kenntnisse mit Ihrer Kamera verfügen – Wie auch immer man das auslegen mag – und wurde im Zuge des Fotofestivals “Horizonte” in Zingst abgehalten. Aufgrund meines studentischen Nebenjobs konnte ich jedoch leider nur am ersten Tag Teilnehmen.

Ich bin in Zingst – einem beschaulichen Städtchen auf einer beschaulichen Ostsee-Halbinsel  angekommen und habe mir zunächst ein Bild von dem Fotofestival gemacht.

Da musste mich doch leicht über die Damen und Herren Tierfotografen amüsieren, wie sie so mit Ihren 150-500mm Scherben auf der DSLR drei Meter vor einem angebundenen Greifvogel hockten. Das Foto von diesem absurd anmutenden Schauspiel kann ich euch leider noch nicht zeigen, da ich es mit meiner Zorki geschossen habe und der Film noch nicht entwickelt ist. Der Rest des Festivals wirkte auf mich, abgesehen von ein paar Ausstellungen, eher wie ein großer Messestand und ein Schaulaufen der Canon 600mm Besitzer. Aber das Herz dieses Festivals sollten bekanntlich die Workshops sein, also habe ich mich auf den Weg zu dem Workshop mit dem Titel “Crossing the Street – der zufällige Moment” begeben. Dort lief es erstmal so ab wie man sich so einen Workshop vorstellt.

Man begrüßt einander, stellt sich vor und erzählt etwas über sich selbst.
Daraufhin folgte eine theoretische Einführung in die Streetphotography. Es ging primär darum, wer Cartier-Bresson und Vivian Meyer waren als auch um eine Einführung in die deutsche Rechtslage, ich folgte so auf einem Ohr und hatte das Gefühl, nichts Neues zu erfahren – für Einsteiger in die Materie jedoch sicherlich sehr spannend.

Danach präsentierte uns der Referent seine besten Bilder.
Schnell musste Ich feststellen, dass ich und Jörg Nicht doch eine andere Herangehensweise haben und auch eine grundverschiedene Philosophie verfolgen. Er sagt ganz klar, dass Instagram sein Medium ist und er seine Arbeit auch daran orientiert, was die Menge dort will. Er scheut radikale Situationen, Fotos, die Missstände der Gesellschaft abzielen oder auch die Schönheit der vom Leben gezeichneten portraitieren oder ein Bild vom Alltag zeichnen sieht man weniger – wobei ich seiner Arbeit auf gar keinen Fall den technischen und künstlerischen Wert absprechen möchte.
Ihm geht es um den Wiedererkennungswert. Das gelb der BVG, Sehenswürdigkeiten und immer wieder der Fernsehturm.Viele seiner Arbeiten erinnern mich eher an “Urban Landscapes”, das Individuum spielt in seinen Bildern oft nur eine Nebenrolle.

Irgendwie nicht so das, wofür mein Herz schlägt, aber sicher das, womit sich am meisten Likes und Follower generieren lassen und am Ende auch seine Rechnungen bezahlt. Ich würde das eher als Dekorative Straßenfotografie werten. Wobei wir ja bekanntlich alle weitaus bessere Kritiker als Fotografen sind.

Nun dann ging es los in die Streets von Zingst. Zingst ist nun wahrlich nicht die Location für Street und die wenigen Charaktere die es dort gibt sind schwer zu finden, versteckt unter den Massen, die sich mit Ihren Kameras durch die Stadt schieben. Auch bin ich nicht wirklich in meine Foto Stimmung gekommen.

Ich bin beim Fotografieren eh eher so der Alleingänger, mache mir meine Stöpsel ins Ohr, lasse mich von musikalisch in eine dadaistische Welt entführen und gehe auf die Jagd.
Dies wurde mir jedoch im Rahmen des Workshops erst wirklich bewusst.
Ausschlaggebend war, als wir an einem Plattenbau vorbeikamen, wo ein Pärchen auf den klassischen Plastikstühlen mit Dreibein Grill saß und aus dem Fenster tönte feinster Malle Schlager, Sie im Leo-Oberteil, er im Unterhemd und stilechten Marinadeflecken. Was hätte Ich für das Foto gegeben, aber als wir mit ca. 12 Leuten um die Ecke kamen, hatten die schon die Nase voll bevor wir nah genug dran waren.

Wenn Ich alleine Unterwegs bin, gehe ich da hin, greife meine Kamera und mache ein Foto. Auch auf die Gefahr hin angepöbelt zu werden, zur Not auch mal ein paar schnelle Schritte zu machen wenn ich merke, dass mit einem: “Hey, kein Thema, ich lösche das Foto, aber wollt ihr euch es nicht wenigstens einmal ansehen?” nichts zu holen ist.

So sind wir halt ein paar Stunden durch die Stadt getingelt. Ich habe vielleicht ein oder zwei brauchbare Fotos gemacht und dann war auch schon Feierabend.


Am nächsten Tag wäre es wahrscheinlich erst richtig spannend geworden. Das Ziel war es, die Fotos vom Vortag zu besprechen und dann nochmal mit Kritik im Gepäck loszustiefeln.
Ich musste jedoch leider Arbeiten, habe aber auch nicht das Gefühl gehabt, dass ich noch wirklich was lernen würde.

Ich mache mein eher enttäuschendes Resümee an drei Faktoren fest.
Mein Verständnis von Street und das von dem Trainer sind sehr verschieden. Zingst ist ein kleines Örtchen, welches sich für Street nur bedingt eignet. Der dritte Punkt ist, dass ich der einzige Teilnehmer war, welcher bereits Erfahrung im Bereich Street hat. Das mag bei einem Eric Kim Workshop sicher anders aussehen, da wäre ich dann der Beginner.

Ich denke nicht, dass ich so viel Geld in so einen Workshop investieren würde.
Ich bin mir eigentlich sicher, dass man auf einem Photowalk mit der Community mehr lernen kann als bei einem eher hierarchischen Workshop. Auch glaube Ich, dass ich mich in Gruppen von erfahrenen Street Fotografen wohler fühle als bei so einem Workshop. Hinzu kommt, dass alle Teilnehmer auch merkbar angespannt waren und sich selbst stark unter Leistungsdruck setzen.

1 KOMMENTAR

  1. Interessante Beschreibung einer Workshoperfahrung. Generell finde ich Workshops ganz gut. Sie helfen mir, über den Rand meines Tellers zu schauen. Zeigen mir Lücken, Möglichkeiten, eigene Stärken, ganz andere Welten.
    HG, Ernst Wilhelm Grüter

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