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Streets of Marrakesh / Soul of Marrakesh

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Traum oder Albtraum

Marrakesch ist mit gut 900.000 Einwohnern nur die viertgrößte Stadt Marokkos und auch nicht die Hauptstadt, aber neben Casablanca wohl die bekannteste Metropole dieses Landes, dessen Name Marokko aus dem Namen der Stadt Marrakesch abgeleitet istDer Name Marrakesch klingt sehr exotisch, wie Havanna oder Kathmandu, aber man fliegt nur vier Stunden, auch mit Billigfliegern wie RyanAir, und einfache Hotels gibt es ab 20 Euro pro Nacht.

Googelt man den Namen der Stadt, sieht man zu 80% Fotos vom Djemaa El-Fna, dem bekanntesten und größten Platz Afrikas. Für Streetfotografen ist das angeblich ein Paradies, aber es ist extrem touristisch und folkloristisch. Also geht man dort morgens zum Frühstück oder abends zum Essen hin, oder um zwischendurch mal schnell einen frisch gepressten Orangen- oder Grapefruitsaft für umgerechnet 50 Cent zu trinken, hält sich ansonsten aber eher fern.

Interessant für uns Streetfotografen sind vor allem die Gassen der Medina, der Altstadt. Die Leute. Die roten Mauern. Das Licht. Die Schatten. Farbe ist toll, schwarz-weiß eher noch besser.

Marrakesch ist bei Streetfotografen berüchtigt wegen seiner Fotografen ablehnenden Einwohner. Das stimmt! Auf dem Djemaa El-Fna traf ich abends vier Engländer, typische Streetfotografen mit ihren Fujifilm X100 und X-Pro1 und X-T1, der vierte mit einer Nikon D4. Sie waren total gefrustet: “Hier kann man nicht fotografieren! Die Leute werden total aggressiv! Wir werden beschimpft und angepöbelt”.

Jein. Fotografen sind nicht wirklich sehr willkommen. Das liegt an ihnen selber. Tausende von Leuten strömen durch die Stadt und knipsen wahllos die Einheimischen wie Tiere im Zoo, und das mögen die nicht. Geht man ruhig und dezent und langsam allein durch die Stadt, lassen einen die Leute auch in Ruhe. Geben und nehmen. Funktioniert wunderbar.

Morgens von sechs bis acht kann man vielleicht am besten fotografieren. Ich laufe durch enge Gassen, trinke hier oder da einen Kaffee oder Tee für wenige Cent, rede mit den Leuten, die neben Arabisch auch Französisch oder manchmal Englisch oder Spanisch sprechen – und fotografiere.

Es ist eine wunderschöne Stadt. Ein wenig zerfallen hier und dort, mit Charakter und Patina. Gern verlaufe ich mich stundenlang in den Gassen, und wenn ich ratlos umherschaue, ob ich besser nach links oder rechts gehen sollte, kommt immer sofort jemand, zeigt in eine Richtung und sagt: “Big place!”

Alle Wege in Marrakesch, so scheint es, führen zum Djemaa El-Fna. Ein Traum oder ein Albtraum? Definitiv ein Traum!

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