Start Blog Street-Fotograf des Monats

Street-Fotograf des Monats

44
0

Vorgestellt: Street-Fotograf des Monats – Hans Jörg Aleff

Irgendwie ist man immer auf der Suche nach dem perfekten Bild

Seit etwa fünf Jahren fotografiere ich in Berlin auf der Straße. Meistens in Schwarz-weiß mit starken Kontrasten. Ich habe gerne Architektur im Hintergrund oder irgendwas Besonderes, damit die Personen, die ich oft als Schatten als Silhouetten darstelle, einen passenden Rahmen haben. Ich lege Wert auf eine saubere Komposition und bin irgendwie immer auf der Suche nach dem perfekten Bild.

Leider gibt es das perfekte Bild nicht. Vielleicht ist das auch gut so, denn ansonsten wäre es langweilig und ich würde nicht mehr fotografieren. Regelmäßig gefallen mir die Bilder, die ich gerade aufgenommen habe, besonders gut. Die Freude, aus der Situation ein brauchbares Foto herausgeholt zu haben, ist besonders frisch und beeinflusst meine Wahrnehmung. Mit etwas Abstand beurteile ich das dann oft nüchterner, viele der vermeintlichen Favoriten werden dann wieder zu Durchschnittsware. Zudem habe ich in der Zwischenzeit schon wieder 1.000 bessere Fotos von anderen Fotografen gesehen und überlege, wie ich so etwas auch zustande bringen kann.

Um mich mit meinen Bildern zu beschreiben zeige ich hier einige Fotos aus den letzten Jahren, die ich auch nach einem längeren Zeitraum noch immer noch sehr gerne betrachte.

Big Step – Holocaust Mahnmal

Das Holocaust Mahnmal ist ziemlich tot fotografiert. Trotzdem gehe ich ca. zweimal im Jahr dort hin. Die Architektur und das Verhalten der Besucher sind einfach zu interessant. An diesem Tag sprang ein junger Mann über die Stelen. Daily Business. Die Mitarbeiterin vom Sicherheitsdienst kam von vorne, um das zu unterbinden. Seine Mutter folgte ihm auf der rechten Seite und bat ihn herunterzukommen. Ich lief parallel auf der linken Seite, um ein Bild zu kriegen. Ein perfektes Durcheinander. Beim letzten Sprung entstand dieses Foto. Mir gefällt die Froschperspektive, die ihn wie einen Riesen erscheinen lässt, der gerade von Hochhaus zu Hochhaus springt.

Three-Legged Cross-Legged – Galerie Capitain Petzel

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich etwas uninspiriert nach Motiven gesucht habe. Ich lief an einer Galerie vorbei und entdeckte durch das Fenster eine spannende Szene. Schnell habe ich meine Kamera ans Fenster gedrückt, die Aufnahme möglichst gerade ausgerichtet und mehrere Fotos gemacht. Die Parallele zwischen dem Gemälde und der Besucherin musste ich einfach festhalten.

Scrabble – Installation vor der Berlinischen Galerie

Im Außenbereich vor der Berlinischen Galerie ist ein Fußboden mit einem Buchstabenfeld installiert. Sie zeigen die Namen von Künstlern, die in der Galerie vertreten sind. Als ich das erste Mal dort war, war wenig los. Dann tauchte eine Frau mit BILD-Tasche auf – noch mehr Buchstaben. Ich habe die Kamera hoch gerissen und schnell mehrere Bilder gemacht. Puls 180, da wir alleine auf dem Gelände waren und sie sich sicher gewundert hat, was ich da veranstalte. Ich wollte diese Situation unbedingt festhalten. Inzwischen war ich nochmal dort und habe viele weitere Bilder mit mehr Menschen und vielen anderen Blickwinkeln gemacht. Diese Aufnahme gefällt mir trotzdem noch am Besten.

Topview –Regierungsviertel

An Sommerabenden schlendere ich gerne durch das Regierungsviertel. Von einer Fußgängerbrücke konnte ich einen Jogger fast von oben fotografieren. Der Schatten zeigt das eigentliche Bild auf dem Fußboden. Um das Ganze trotz meines etwas schrägen Aufnahmewinkels gut auszurichten musste ich in der Nachbearbeitung noch einiges an dem Bild korrigieren. In meinen Augen lebt das Bild von der strengen Geometrie.

Tunnel of Love – Fußgängerunterführung an der Museumsinsel

An der Museumsinsel gibt es eine sehr schon gewundene Fußgängerunterführung mit tollem Licht. Bei meinem ersten Besuch durchquerte ein Paar den Tunnel Hand in Hand. Perfekt! So erzählen die beiden Silhouetten irgendwie auch eine Geschichte. Letzte Woche war nochmal da. Inzwischen ist der ganze Tunnel voll mit Zelten von Obdachlosen, die dort übernachten. Mir ist die Lust auf Fotos vergangen und ich bin mit einem bedrückten Gefühl nach Hause gegangen.

No Border – Gedenkstätte Berliner Mauer

In der Nähe meines Büros ist die Gedenkstätte Berliner Mauer, also bin ich da mal abends
hin gelaufen. Ein Mann schaute neugierig durch den Spalt in der Mauer, hinter der ein Rest des alten Todesstreifens zu sehen ist. Schade, dass das Graffiti „No Border“ über ihm verwaschen und nur schlecht zu erkennen ist. Für mich macht die Körperhaltung das Bild interessant, da sie Spannung in die triste Umgebung bringt.

Knocking-off Time –Regierungsviertel

Mal wieder ein Zwischenstopp auf dem Nachhauseweg im Regierungsviertel. Ich habe da meine Lieblingsstelle, an der ich mich gerne kurz hinsetze. Ich mag die hohe Betonfassade und die Linien, die durch die Treppe entstehen. An diesem Tag lief ein dunkel gekleideter Mann mit Aktentasche mit großen Schritten auf die Treppe zu und dem Feierabend entgegen. Oft warte ich lange auf solche Menschen. Das ist vielleicht der richtige Moment, allen Leuten zu danken, die mit Regenschirm, Hut oder gestreiften Pullovern durch die Straßen oder über einen Zebrastreifen laufen – wir Street Fotografen brauchen sowas.

Inverse Bike – Kurfürstendamm

Man hat zwar nicht immer Lust rauszugehen, aber gerade an einem regnerischen Tag entstehen oft spannende Bilder. Ich habe nach einem kräftigen Schauer eine ganze Weile an dieser Pfütze am Kudamm verbracht und alle möglichen Perspektiven ausprobiert. In dieser Spiegelung passte sich der Fahrradfahrer gut in die umliegenden Gebäude ein. Ich finde es beeindruckend, wie stark die Bildausrichtung die Wahrnehmung beeinflusst.

Wenn ich dieses Foto wieder um 180 Grad zurückdrehe, sieht es für mich viel langweiliger aus, da mein Gehirn viel schneller entschlüsselt, was Straße und was Reflektion ist.

Eine Übersicht seiner Arbeit findet Ihr auf seiner Webseite www.aleff.photography


Wir suchen den „Street-Fotografen“ des Monats April !

Bist Du ein begeisterter Street-Fotograf?

Jeden Monat wählen wir einen/eine Street-Fotograf/In aus, der/die mit seinen/ihren Bildern begeistert und veröffentlichen es auf unserem Blog.

„Beschreibe Dich und Deine Fotos“
und sende für den Monat April ab sofort Deine Bilder und die dazugehörende Geschichte an spotm@soulofstreet.de – das Ende der Einreichungen ist der 30.April 2017.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here