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Bessere Streetfotos machen?

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Zwei Fotos von einem Radrennen. Von demselben Radrennen. Ich habe sie in England gemacht, wo ich zehn Jahre lang gearbeitet habe. Abgesehen davon, dass eins schwarz-weiß und das andere farbig ist, unterscheiden sie sich vor allem in einem: das linke Foto zeigt viel Detail, in diesem Fall sieht man den Ort Torquay im Hintergrund, und man kann die angestrengte Mimik des Radfahrers bestens sehen. Das rechte Foto zeigt kaum Detail. Weder im Hintergrund noch im Gesicht des Radfahrers sind Details zu erkennen.

Manchmal ist Detail in der Fotografie wichtig. Aber in der Streetfotografie nicht unbedingt. Manche Streetfotografen fotografieren mit billigen Kompaktkameras, einige mit einfachen Lochkameras, andere machen “Mitzieher”.

Der Fotograf Ernst Haas (1921-1986), Mitglied der berühmten Fotoagentur “Magnum Photos”, hat sehr oft Bilder dieser Art gemacht. Auch die Bilder des Japaners Daidō Moriyama sind oft unscharf, häufig mit billigen Kompaktkameras aufgenommen.

Bilder müssen nicht 24 oder 36 Megapixel haben, um “gut” zu sein. Ein anderes Bild, das ich bei dem Radrennen in England gemacht habe, habe ich verkauft, es hängt riesiggroß in einem Architekturbüro in Leipzig. Sie wollten Bilder an der Wand haben, die Dynamik, Leben, Action zeigen, und kauften dann Bilder, die solche Bewegungsunschärfe aufweisen.

Falls eure Streetfotos also nicht gut genug sind und ihr gerade mal wieder davon träumt, eine neue, bessere Kamera zu kaufen: vielleicht braucht ihr eine billigere, einfachere Kompaktkamera. Vielleicht solltet ihr mit dem Mobiltelefon fotografieren statt mit der DLSR.

Statt eine billige Kamera zu verwenden, kann man auch billige Objektive ausprobieren und damit teilweise erstaunliche Effekte erzielen. Ich habe einmal ein “Lensbaby Muse Plastic Optic” für 65 Euro oder so gekauft, und war anfangs extrem enttäuscht. Es war so gut wie unmöglich, damit irgendetwas wirklich scharf abzubilden. Also landete es in der Schublade. Irgendwann versuchte ich es noch einmal, und ich verliebte mich geradezu in das Objektiv. Es half mir, mich mehr auf Farben, Formen oder Helligkeitsunterschiede zu konzentrieren, darauf zu achten, dass die Personen durch Farbe oder Kontrast gut freigestellt wurden.

Also: Sind deine Streetfotos nicht gut genug? Dann brauchst du vielleicht nicht mehr Auflösung, sondern weniger. Nicht schnellere Verschlusszeiten, sondern langsamere. Nicht mehr Zoom, sondern gar keinen.

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