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Ohne Wohnung – Mit Würde

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Ohne Wohnung – Mit Würde

Fotografien von Obdachlosen am Rande unserer Gesellschaft.

Im Brennpunkt meiner besonderen fotografischen Aktivitäten stehen Menschen mit ihren Geschichten, die am Rande unserer Gesellschaft leben. Ihnen versuche ich mich fotografisch zu nähern, ohne dabei voyeuristisch zu wirken. „Ohne Wohnung – Mit Würde“ ist aus zahlreichen und wiederholten Gesprächen mit Obdachlosen entstanden, die teilweise an der Entstehungsgeschichte zum Foto mitgewirkt haben. Menschen am Rande der Gesellschaft werden sehr häufig und voreilig mit vielen Klischees bedacht, die dem Einzelnen nicht gerecht werden. Aus vielen Gesprächen habe ich gelernt, wie schnell man, bedingt auch durch unvorhersehbare Ereignisse, in eine kaum aufhaltbare Abwärtsspirale geraten kann, die letztlich in die Obdachlosigkeit mündet.

Meine Fotos sollen dazu beitragen, dass Menschen am Rande der Gesellschaft, auf Augenhöhe fotografiert, eine Bühne bekommen, die mithilft, diesen Menschen Stolz und Selbstbewusstsein zu verleihen, die mithilft Vorurteile und Klischees abzubauen und die dem jeweiligen Protagonisten gerecht wird.

Elvis wohnungslos mit Wohnung

Elvis bekennt sich zu seinem Leben auf der Straße. Früher hat er mal auf dem Bau gearbeitet. 2006 ist er in Köln „gestrandet“, hat sich seine Wohnung unter einer Rheinbrücke eingerichtet und will hier nicht mehr weg. „Ich würde mein Domizil gegen nichts in der Welt eintauschen.“

Er beobachtet gerne Leute und ist in Köln bekannt wie ein bunter Hund. Sogar in einem Musikvideo der „Höhner“ hat er schon mitgewirkt.

Sonntags bleibt er stets zu Hause, damit seine dem Zoo nahe gelegene „Wohnung“ nicht von „kleinen“ Zoobesuchern als Spielplatz benutzt wird.

Bettie und ihr Lucky

Bettie aus Bulgarien ist seit zwei Jahren in Köln und will auch bleiben, da ihr die Menschen sympathisch sind. Ihr treuer Freund Lucky, ein Dackel, ist ihre ganz große Liebe. Ohne ihn wollte sie nicht mehr leben. Menschen haben sie immer wieder verletzt und enttäuscht, in ihrer Heimat hat sie Beruf und Familie verloren und nun hofft sie in Köln auf friedliche Jahre mit ihrem treuen Begleiter. Vielleicht will sie auch wieder eine Arbeit suchen, wenn Lucky eines Tages nicht mehr da sein sollte. Sie will aber nicht daran denken.

(Titelfoto: Dirk Conrads)

2 KOMMENTARE

  1. Sehr schöne Geschichten, durch Gerd habe ich mich getraut einen Obdachlosen anzusprechen.
    Habe mit Jürgen, dem (Obdachlosen) viel geredet. Er hat mir in zweieinhalb Stunden sein ganzes Leben erzählt. Die ganze Zeit habe ich im zugehört, es kann jeden treffen.
    Ich sehe jetzt die Menschen mit anderen Augen, bevor ich jemanden wegen seinem Aussehen
    verurteile.
    Danke Gerd für den Artikel, mach weiter so.

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