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Streetfotografie in Farbe (Teil 2)

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Streetfotografie in Farbe – Die Welt ist nicht schwarz-weiß.

Vor- und Nachteile

Aber wo genau bzw. bei welchen Bildern liegen also jweils die Vorteile von Schwarz-Weiß und von Farbbildern?

Schwarz-Weiß

Kontraste und Silhouetten:

Schwarz-Weiß-Bilder eignen sich besonders gut dafür, kontrastreiche Situationen abzubilden, oder gar Personen zu reinen Silhouetten zu vereinfachen. Diese Darstellungsweise lässt besonders viel Spielraum für Interpretationen. Dasselbe gilt für die „fehlenden“ Farben: Das endgültige Bild entsteht im Kopf des Betrachters.

Zeitlosigkeit:

Gute Schwarz-Weiß-Bilder haben für mich oftmals etwas Zeitloses. Durch die fehlenden Farben geben sie dem Fotografen die Möglichkeit, sein Bild unabhängig von aktuellen Mode- oder Farbtrends der jeweiligen Saison oder Epoche zu gestalten.

Konzentration auf das Wesentliche:

Schwarz-Weiß ermöglicht, das Foto auf das Wesentliche zu reduzieren und den Blick des Betrachters nicht durch störende (Farb-)Elemente abzulenken.

Ähnliche Situationen kennt höchstwahrscheinlich jeder Streetfotograf:

Man ist unterwegs in einer städtischen Fußgängerzone und Einkaufsmeile, es ist Samstagnachmittag, d.h., die Straße ist voll mit Passanten. Mitten in diesem Wirrwarr entdeckt man plötzlich die perfekte Szene, also keine Zeit verstreichen lassen, nichts wie hin und den Auslöser drücken, bevor der Moment verstreicht. Man hat nur diese eine Chance – das Bild muss sitzen. Kaum hat man es geschafft, folgt bei dem Blick auf das Display die Ernüchterung. Was macht der Typ in dem neon-pinken T-Shirt da im Hintergrund?

Hier wird der Blick des Bildbetrachters von der eigentlichen Situation leider zu einem völlig unnötigen Element gelenkt. In diesem Fall könnte eine Schwarz-Weiß-Konvertierung von Vorteil sein.

Farbe

Positive Stimmungen und Emotionen vermitteln:

Generell fällt es mir persönlich einfacher, positive Stimmungen mit Farbbildern als mit Schwarz-Weiß-Bildern zu erzeugen. Versteht mich hier nicht falsch, es gibt auch unglaublich positive Schwarz-Weiß-Fotos und sehr deprimierende Farbbilder. Aber generell verbinde ich, vor allem mit hellen, warmen Farben, eher positive, glückliche Momente.

Hier ein – vielleicht ein wenig überspitztes – Beispiel.

Der Regen, die Handgeste und die Abwesenheit von anderen Personen rufen hier ein melancholisches Gefühl hervor. Das Ganze wird durch die Schwarz-Weiß-Konvertierung noch verstärkt. Auch in Farbe wäre das Bild nicht wirklich „bunt“.

Dieses Bild eines glücklichen Paares in Liegestühlen in Verbindung mit den sommerlichen Farben wird direkt mit positiven Assoziationen verknüpft.

Farb- und Lichtstimmungen:

Ein weiterer Vorteil der Farbfotografie ist es, Farb- und Lichtstimmungen einfangen zu können. Denkt z.B. an das warme Goldgelb eines Sonnenunterganges oder das kühle Blau von Neonreklamen in der Nacht. Das alles funktioniert nur in Farbe.

Saisonalität:

Ähnliches gilt, wenn Eure Fotos eine gewisse Jahreszeit widerspiegeln sollen. Stellt Euch z.B. eine Herbstszene ohne die bunten Farben der Blätter vor oder ein sommerliches Foto ohne helle, warme Farben. Hier bietet Farbe einen gewaltigen Vorteil.

Farbkompositionen:

Farbe kann auch das Hauptmotiv des Bildes sein, z.B. kann eine bestimmte Farbe besonders herausstechen oder mit einer zweiten Farbe kontrastieren. Hierzu mehr in den Tipps.

Generell kann man sagen, dass Farbe bei der Komposition helfen kann. Man hat ein weiteres Element, mit dem man spielen und experimentieren kann. Das kann natürlich schwieriger sein, da es die Komplexität erhöht, bringt auf der anderen Seite aber auch mehr Gestaltungsspielraum.

8 Tipps zur Farbfotografie

Nachfolgend möchte ich Euch ein paar Tipps geben, wie Ihr Eure Street-Farbfotografie verbessern könnt. Da ich hier selbst noch dazulerne, stellt dies lediglich meine subjektive Meinung ohne Anspruch auf Vollständigkeit dar.

  1. Entscheide im Voraus, ob Du in Farbe oder in Schwarz-Weiß fotografieren möchtest:
  2. Dies mag in Anbetracht von Raw-Bildern, die selbst bei Schwarz-Weiß-Voranzeige in der Kamera die Farbinformationen erhalten, komisch erscheinen. Und tatsächlich bin ich selbst oft mit monochromer Einstellung in meiner Kamera losgezogen unter der Prämisse, dass ich interessante Farbsituationen im Nachhinein am Computer wiederherstellen könnte.Allerdings ist dies nicht so einfach wie man denkt. Wenn man loszieht, um in Schwarz-Weiß zu fotografieren, schaut man eher auf Kontraste, Licht und Schatten, Formen, Linien, oder Gesichtsausdrücke. Ist man sich im Vorhinein jedoch bewusst, dass man in Farbe fotografiert, ist der Blick ein anderer. Sticht eine Farbe besonders hervor? Wie wirken die Farben im Bild in Kombination oder als Kontrast? Rufen sie bestimmte Assoziationen oder Emotionen hervor?Aus diesen Gründen würde ich empfehlen, sich im Vorhinein bewusst zu werden, ob man bei der nächsten Tour in Farbe oder Schwarz-Weiß fotografieren möchte.Eine kreative Beschränkung, die in diesem Fall helfen könnte, ist das analoge Fotografieren, da man sich hier zumindest für die nächsten 36 Bilder zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Film entscheiden muss.
  3. 2. Schule Dein Auge, indem Du bewusst nach bestimmten Farben suchst:
  4. 3. Suche nach einer Farbe, die besonders heraussticht:
  5. Suche nach einer Farbe, die besonders aus einem sonst eher monotonen und tristen Hintergrund heraussticht.
  6. 4. Finde mehrere Objekte derselben Farbe in einem Bild:
  7. Dies ist schon etwas schwerer, da hier auch Glück eine Rolle spielt. Ein Tipp, der hier helfen kann, ist sich ein oder zwei Objekte mit einer besonderen Farbe zu suchen und dann auf Personen, die etwas mit derselben Farbe tragen, zu warten.

  8. 5. Nutze das Farbenrad:
  9. Das Farbenrad ist Teil der Farbenlehre und kann sehr hilfreich bei der Gestaltung von Fotos sein.

  10. Kombiniere Primärfarben:
  11. Die Primärfarben Rot, Gelb und Blau funktionieren immer zusammen. Dieses Konzept wird auch Farbharmonie genannt.
  12. Kombiniere Komplementärfarben:
  13. Komplementärfarben sind Farben, die auf dem Farbenrad gegenüberliegen. Man kann sie z.B. einsetzen, um einen schönen Kontrast in seinen Bildern zu erzeugen. Eine warme Farbe wie Rot, Orange oder Gelb wird sich besonders von einer eher kühlen Farbe wie Grün, Blau oder Violett abheben.

    Kombiniere analoge Farben:

  14. Analoge Farben liegen direkt nebeneinander auf dem Farbenkreis. Im Unterschied zu den Komplementärfarben wird hier der Kontrast nicht besonders hoch sein, dafür bewirkt eine analoge Farbkombination eine besondere Harmonie und Verstärkung der vorherrschenden Bildstimmung. Ein Beispiel wäre die Kombination aus warmen Farben wie Rot und Orange.

  15. 6. Nutze Farb- und Lichtstimmungen:
  16. Setze bewusst bestimmte Lichtstimmungen, wie das warme Licht bei Sonnenuntergang oder das kühle Licht von Neonreklamen ein, um bestimmte Gefühle bei dem Betrachter Deiner Bilder hervorzurufen.
  17. 7. Rufe mit Farben Emotionen und Assoziationen hervor:
  18. Bestimmte Farben werden mit bestimmten Emotionen oder Eigenschaften verknüpft. Z.B. Rot mit Liebe, Leidenschaft oder Sünde. Welche Farben verknüpfst Du mit welchen Emotionen? Versuche auf diese Art und Weise Deine Bildaussage zu gestalten.
  19. 8. Lasse dich inspirieren:
  20. Lasse Dich von anderen Farb-Fotografen inspirieren. Z.B. wären hier Joel Meyerowitz, Alex Webb, Saul Leiter oder William Eggleston zu nennen. Vielleicht kannst Du bei diesem, oder anderen Fotografen Inspiration für Deine eigenen Bilder finden. Es müssen hier auch nicht unbedingt Streetfotografen oder überhaupt Fotografen sein, auch Gemälde können eine interessante Inspirationsquellen sein.

 


(Teil 1 findet Ihr hier…)

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