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Bessere Streetfotos machen

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Bessere Streetfotos machen?

Verblüffende Zusammentreffen.

In der Streetfotografie findet man häufig Bilder, in denen der Fotograf verschiedene Subjekte oder Objekte miteinander verbindet, die eigentlich keinen Zusammenhang haben.

Man kann eine durchs Bild laufende Person oder Personengruppe beispielsweise verbinden mit

  • Personen auf Plakaten oder Bildern in Ausstellungen
  • Statuen oder Schaufensterpuppen
  • Schatten von Personen oder Tieren
  • Reflexionen von Personen, beispielsweise in Schaufenstern
  • Personen oder Motiven auf T-Shirts

oder anderen Hintergründen, die zusammen mit der Person eine Story erzählen. Zum Beispiel Personen unter Plastikdächern auf Märkten in exotischen Ländern; ich habe oft in der Karibik oder in Nordafrika gesehen, wie aus Wahlkampfplakaten oder den Werbeplakaten beispielsweise von Telefonanbietern Dächer als Sonnen- und Regenschutz gemacht werden. Oft sind dort Fotos drauf, manchmal auch Texte wie “Immer an der Seite des Volkes” oder “Deine Träume werden Wirklichkeit”.

Mein Lieblingsstreetfoto mit Plakatwänden, vom Belgier Harry Gruyaert in Marokko gemacht, zeigt nicht einmal lebende Personen, sondern nur Plakate, aber in einer sehr witzigen Synopse. Eine Unmenge derselben Fotos eines Politikers, dazu Werbeplakate mit einer jungen Frau und einem Pinguin in einer Wüstenlandschaft. Und sehr skurrile Architektur. Farblich und kompositorisch, wie immer bei Gruyaert, eine Augenweide.

Wie immer in der Streetfotografie kann man das bis zu einem bestimmten Punkt planen, indem man beispielsweise an einer Plakatwand auf vorbeigehende Personen wartet, aber manchmal ist es auch der nackte Zufall, dass man spontan etwas sieht und dann sehr schnell reagiert.

Das Schwarzweißfoto unten links zeigt eine solche Zufallsbegegnung. Ich hatte zwei DSLRs, mit 11-18 mm und mit 50 mm Brennweite, schon in einer Tasche verstaut, eine Kompaktkamera hatte ich aber noch in der Hand. Die Wand sah ganz interessant aus, also dachte ich nach, ob es sich lohnen würde, nochmal eine DSLR auszupacken und zu warten. Da kommt eine Frau um die Ecke und läuft mir genau so durchs Bild, dass es eine Story ergibt: “Szenen einer Ehe” oder so.

Das Bild daneben ist ebenfalls vollkommen ungeplant. Ich hatte zwei oder drei Stunden lang fotografiert und war auf dem Weg nach Hause. Ein Motorrad kommt von hinten. Oft sitzen auf Motorrädern in “Entwicklungsländern” Personen, die sehr sperrige Dinge wie Aluleitern oder auch mal eine Kuh transportieren, und das ergibt oft witzige Bilder. Also drehe ich mich um und reagiere blitzschnell. Was mir in dem Moment nicht auffiel war, dass der vorn sitzende Mann genau so vor einer großen Pflanze war, dass er aussieht wie ein Indianerhäuptling: “Der letzte Mohikaner”.

So etwas kann man nicht planen. Das Bild darüber gab mir mehr Zeit. Ich sah das Sportplakat und den mega-unsportlich aussehenden Mann darunter, und schoss ein Foto. Weil es keinen Grund gab, weiterzugehen, wartete ich einen Moment. Weitere Personen waren nicht zu sehen, es war ein Sonntagmorgen, wenig los, aber dann kam ein Radfahrer angefahren, der thematisch gut zu der Szene passte.

Die Szene darüber zeigt lachende Menschen auf der Reklame eines Lkw’s und den Schatten eines vorbeigehenden Mannes, eines Haitianers. Ich schoss dort eine ganze Weile, denn nicht jede Person passt zur Szene, nicht jedes Bild wirkt.

Die Onlinecommunities sind voll von Streetfotos, die Menschen vor Plakaten zeigen, aber nicht immer sind sie auch gut. Manchmal sieht man es den Bildern an, dass sie hastig und ungeduldig gemacht wurden. Mit etwas Geduld und auch mit etwas Glück klappt’s aber. Es gibt viele Gelegenheiten, solche Motive zu finden, und viele Gestaltungsmöglichkeiten: Farbe oder s/w, Hoch- oder Querformat, mit Weitwinkel oder langer Brennweite.

Manchmal ist der Clou die formale Übereinstimmung von nicht zusammengehörenden Dingen, wie bei der Frau mit der orangefarbenen Bluse, die dieselbe Farbe hat wie die Absperrung einer Baustelle, manchmal ist es ein inhaltlicher Gegensatz, wie bei dem Mann vor dem Bild eines Bugatti. Gelegentlich auch mal eine komplexe Story, wie bei dem Bild mit der Frau, die vor der bunten Wand eines Restaurants mit einem Jesusbild vorbeigeht und Assoziationen hervorruft wie “den weltlichen Verlockungen widerstehen”.

Unten rechts ist es nicht ein Plakat, sondern ein Müllsack “mit einem Gesicht”, der verblüfft. Das vielzitierte “Sackgesicht”.

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